René Obermann muss sich mit internen Spitzeleien auseinander setzen
Top-Personal aus Polizei und GeheimdienstenMit dem Schaden, der entsteht, wenn fragwürdige Spitzeleien öffentlich werden, muss sich seit diesem Frühjahr
René Obermann , der Vorstandschef der
Deutschen Telekom , auseinander setzen. Was lange verschwiegen wurde, das Zusammenspiel zwischen Konzernsicherheit und Sicherheitsberatungen, ist jetzt publik: Die Telekom gab Verbindungsdaten von Journalisten und Aufsichtsräten an externe Dienstleister weiter und ließ sie auswerten. Vertrauliche Daten, die dem Datenschutz unterliegen. Ein Journalist wurde observiert, angeblich ein Maulwurf in einer Redaktion installiert. Mitarbeiter der Konzernsicherheit wurden als V-Leute in die Computerhacker-Szene eingeschleust, Telefonate abgehört. Lauter Machenschaften, die das Image des ehemaligen Staatsmonopolisten arg beschädigen - und einen seltenen Einblick in einen Konzern gewähren, in dem Paranoia und begründete Sicherheitsbedenken kaum noch zu unterscheiden sind.
Die großen Konzerne haben aufgerüstet, um sich gegen undichte Stellen, Untreue, Erpressung und zwielichtige Geschäftspartner zu schützen. Im Abwehrkampf gegen die organisierte Kriminalität oder ausländische Unternehmen, die Spionage mit Hilfe der Nachrichtendienste ihrer Heimatländer betreiben, sind die Sicherheitsabteilungen der Unternehmen zu Hundertschaften angewachsen. Im Auftrag der Vorstände ermitteln sie, bei Bedarf werden Spezialisten aus Sicherheitsberatungen hinzugezogen. Das Top-Personal wird aus Polizei, Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz und Geheimdiensten rekrutiert - angelockt mit einer Verdopplung bis Vervierfachung des Gehalts. Angriff, so die Devise vieler Konzerne, ist die beste Verteidigung.
Wie skrupellos deutsche Konzerne mit dem Einsatz von Detektiven umgehen, wurde schon vor zehn Jahren aktenkundig. Jahrelang ließ der Leverkusener Pharma-Konzern Bayer zwei britische Privatdetektive weltweit spionieren. Allein in Deutschland standen 24 Unternehmen im Verdacht, Bayer-Patente zu verletzen. In Hamburg steigen die Spitzel bei der Spedition Schaulandt ein, um Lieferscheine und Zollpapiere zu stehlen. Im Tessin wühlen sie auf dem Firmengelände des Finanzservice-Unternehmens Fidinam im Altpapier - die Ausbeute: seitenlange Listen anonymer Geschäftsbeziehungen und vertraulicher Beziehungen. In Spanien brechen sie in das Verwaltungsgebäude der Chemo Iberica ein, um den internen Lageplan der Chemieanlagen zu besorgen. Zuletzt knacken die beiden Briten den Sitz der Medochemie im zypriotischen Limassol und kommen mit dicken Aktenbündeln wieder heraus. Ein Mitarbeiter bemerkt den Einbruch, ruft die Polizei. Die beiden Spitzel werden verhaftet und zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Statement des Konzernsprechers von damals ist austauschbar mit Verlautbarungen aus jüngeren Tagen: "Wenn externe Dienstleister im Rahmen einer Tätigkeit für Bayer zu illegalen Mitteln gegriffen haben sollten, so wäre dies ohne Kenntnis und Billigung des Unternehmens geschehen."