Eine Siemens-Mitarbeiterin kontrolliert die Produktion von Handys
Es ist keine leichte Aufgabe, die der neue Vorstandschef Klaus Kleinfeld da zu lösen hat. Einerseits traut er der Telekommunikationssparte in spätestens zwei Jahren eine Gewinnmarge von acht Prozent zu, im vergangenen Quartal verbuchte der Bereich allerdings einen operativen Verlust von 19 Mio. Euro. Da sich der Börsenkurs seines Unternehmens seit seinem Amtsantritt zu Beginn des Jahres allerdings stetig verschlechtert hat, kann Kleinfeld sich nicht allzu viel Nachsicht leisten. Entweder er saniert hart, oder er trennt sich vom gesamten Telekomgeschäft.
Cross Selling
Andererseits ist er der größte Fürsprecher von "Siemens One", einer Strategie, die er in den USA und die ihn bei Siemens groß gemacht hat. Im Verkäuferjargon Cross Selling genannt, beinhaltet dies, dass Siemens Großprojekte wie Krankenhäuser oder Sportstadien vom Fundament bis zum Dach mit Produkten und Dienstleistungen aus dem Konzernportfolio ausstattet, von der Sicherheits- und Gebäudetechnik über die Datennetze bis hin zur Osram-Glühbirne. Zentraler Bestandteil dieser Projekte ist das Kommunikationsgeschäft.
Es ist deshalb wahrscheinlich, dass zumindest das Netz-Geschäft bei Siemens bleibt. Sicher ist es nicht. "Es gibt keine klare Meinungsbildung im Zentralvorstand", kritisiert ein Konzernkenner. Kein Wunder, denn dort sitzen Manager, die die Konzeptionslosigkeit der vergangenen Jahre zu verantworten haben. Hinzu kommt, dass Ex-Konzernchef Heinrich von Pierer als Aufsichtsratsvorsitzender den Daumen auf Entscheidungen hat.