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19.04.2009, 18:46
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Trauriger Riese General Electric
Die Bankenkrise hat General Electrics Schwäche aufgedeckt: Die Ikone der US-Industrie hängt mit ihrer Sparte GE Capital am riskanten Finanzgeschäft. Konzernchef Jeffrey Immelt fehlt ein Konzept, um das zu ändern.
von Thomas Jahn, Matthias Ruch (New York) und Matthias Lambrecht (Hamburg)
Groß, stark und gelassen sitzt er da. Keine Spur von Aufregung, von Sorge gar. Kein nervöses Zucken, keine Augenringe. Jeffrey Immelt scheint guter Dinge. Dabei hat sein Unternehmen, immerhin einer der größten Konzerne der Welt, in den vergangenen zwölf Monaten fast 70 Prozent des Börsenwerts verloren. Und in wenigen Tagen wird der
General Electric -Chef für das erste Quartal sinkende Umsätze und einen Einbruch der Gewinne um mehr als 35 Prozent melden müssen.
Doch er nickt fröhlich in die Runde. Gemeinsam mit Intel präsentiert General Electric (GE) an diesem Apriltag in New York eine neue Partnerschaft für die Onlinebetreuung chronisch Kranker. 250 Mio. $ wollen die beiden Konzerne in dieses Projekt investieren. In guten Zeiten wären Allianzen dieser Größenordnung für Immelt kaum der Rede wert. Aber die Zeiten sind nicht gut. Also kommt der große Chef persönlich - und verbreitet Zuversicht.
An der Misere von General Electric ändert derartiges PR-Geklapper allerdings nichts. Und es hilft auch nicht, dass die Auftragsbücher trotz Krise gut gefüllt sind und die Energieanlagensparte zuletzt einen kräftigen Gewinnzuwachs verbuchen konnte. Das einstige Aushängeschild der US-Wirtschaft hat tiefe Kratzer. Immelt hat in den vergangenen Monaten mit wiederholten Fehleinschätzungen Vertrauen verspielt, der Nimbus des zuverlässigen Lieferanten angekündigter Quartalsergebnisse ist verloren. Rund 200 Mrd. $ Investorenvermögen haben sich binnen 12 Monaten in Luft aufgelöst. Und es gibt wenig Anzeichen dafür, dass GE in absehbarer Zeit zur alten Größe zurückkehren kann.
Bilderserie
Bilderserie: GE - Von der Waschmaschine bis zum Flugzeugmotor
Denn auch wenn GE noch immer für Lokomotiven, Generatoren, Kühlschränke oder Glühbirnen steht - Immelt führt einen Finanzdienstleister mit angehängten Industriesparten: GE Capital erwirtschaftet mehr als ein Drittel des Konzernumsatzes von zuletzt183 Mrd. $ und liefert bis Mitte 20.008 die Hälfte Konzerngewinns. Der Ertrag aus dem Geschäft mit Investitionsfinanzierung oder Immobilienkäufen liegt zeitweise sogar über den Profiten von Wall-Street-Größen wie
Goldman Sachs . Doch mit der Finanzkrise wird die Stärke zur Schwäche. Die Investoren fürchten unkalkulierbare Risiken in GEs Finanzportfolio. Der Mischkonzern steckt so im gleichen tiefen Tal wie die Banken. Und die Beziehungen zwischen GE Capital und dem Industriegeschäft sind so symbiotisch miteinander verwoben, dass eine Abspaltung undenkbar erscheint.
Es war Immelts Vorgänger Jack Welch, der in den 80er-Jahren die Entwicklung von GE Capital zum wichtigsten Geschäftszweig des Unternehmens vorantrieb. Seine rechte Hand Gary Wendt verwandelte die damals verschnarchte Sparte GE Credit, die vor allem zur Unterstützung der GE-Kunden beim Kauf von Investitionsgütern bereitstand, in die heutige globale Finanzsupermacht, die von Autokrediten in Osteuropa bis zu Kreditkarten des Einzelhandelsriesen Wal-Mart weltweit alle erdenklichen finanziellen Dienstleistungen anbietet.
Teil 2: Wie Welch den Wert von GE verdreißigtfachte
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Aus der FTD vom 20.04.2009
© 2009 Financial Times Deutschland,
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