Ein Ölförderfeld: "Die teure Energie nützt der deutschen Wirtschaft mehr, als sie ihr schadet"
Lange Zeit glaubten Experten, dass ein Ölpreis von 100 $ pro Barrel (159 Liter) die deutsche Wirtschaft in eine tiefe Rezession stürzen würde. Mittlerweile kostet das Fass 126 $, und es sieht nicht danach aus, dass der Preis dramatisch fallen wird. Dennoch ist der Absturz bislang ausgeblieben. Im internationalen Vergleich sind deutsche Firmen für solche Krisen gut gerüstet: Sie haben früh in effiziente Technik investiert, verfügen über exzellente Geschäftsbeziehungen mit Öl produzierenden Ländern und gehören bei innovativer Technik zu den Vorreitern. "Die teure Energie nützt der deutschen Wirtschaft mehr, als sie ihr schadet", sagt Roland Döhrn, Leiter der Konjunkturabteilung am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung (RWI).
Zumindest im ersten Quartal haben die hohen Energiekosten die Wirtschaftsbilanz nicht trüben können. Im Gegenteil: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,6 Prozent. "Diese Zahlen sind ein echter Hammer - im positiven Sinn", sagt Döhrn.
So kurios es klingt: Jetzt zahlt sich für manches Unternehmen aus, dass Energie hierzulande schon früher teurer war als anderswo. Viele haben zeitig in energiesparende Technik investiert, um ihren Kostennachteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz wettzumachen. "Die deutsche Volkswirtschaft ist deutlich energieeffizienter als die meisten anderen", sagt Andreas Biermann von der Internationalen Energieagentur, einer Interessenvertretung der westlichen Verbraucherstaaten. Heute wird mit demselben Energieeinsatz doppelt so viel Bruttosozialprodukt erwirtschaftet wie in den 70er-Jahren.