Haniel hat seine Beteiligung am Pharmagroßhändler Celesio wie angekündigt auf 50,01 Prozent reduziert und damit rund 100 Mio. Euro erlöst. Das Duisburger Familienunternehmen teilte am Mittwoch mit, es habe 7,9 Mio. Aktien zum Stückpreis von 12,60 Euro verkauft. Händler hatten mit einem Preis in diesem Bereich gerechnet. Das Angebot war laut Haniel fünffach überzeichnet.
Neben Celesio will Haniel außerdem in den nächsten 18 Monaten etwa 13,7 Mio. Metro -Aktien abstoßen, um seine Schulden auf unter zwei Mrd. Euro zu drücken. Die Metro-Beteiligung würde damit auf 30,01 Prozent sinken.
Damit hat der neue Haniel-Chef Stephan Gemkow vier Monate nach Amtsantritt seiner Ankündigung, den harten Schnitt zu vollziehen, um handlungsfähig zu werden, Taten folgen lassen. Die vom Aufsichtsrat abgesegnete Entscheidung bedeutet zudem den Bruch mit der von Gemkows Vorvorgänger Eckhard Cordes verfolgten Konzentrationsstrategie, die Haniel in den vergangenen Jahren weitgehend handlungsunfähig gemacht hatte: Wegen daraus entstandener hoher Schulden waren einerseits keine neuen Investitionen mehr möglich, andererseits hatten sich Cordes' strategische Ziele als nicht umsetzbar, seine Schritte aber gleichzeitig als nur schwerlich umkehrbar erwiesen.
Aus dieser Falle will Gemkow nun ausbrechen - wenn auch unter Schmerzen. Binnen 18 Monaten soll die Beteiligung an Metro um 4,23 Prozent verringert werden. Diesen Anteil hatte Cordes 2007 annähernd zum historischen Höchstpreis von knapp 60 Euro pro Aktie aufgestockt. Für 15,68 Prozent der Metro-Aktien zahlte Haniel 3 Mrd. Euro. Mittwochmorgen kostete die Metro-Aktie 21,50 Euro, sodass der Verkauf weit unter Einstandspreis wahrscheinlich ist. Der Erlös für den zum Verkauf stehenden Anteil würde derzeit etwa 300 Mio. Euro betragen.
Gleichzeitig verliert Haniel so Zugriff auf die Aktienmehrheit, wenn die Anteile nicht noch beim zweiten Metro-Großaktionär, der Familie Schmidt-Ruthenbeck, landen sollten: Cordes' Aufstockung hatte seinerzeit das Ziel, zusammen mit der Familie auf eine Mehrheit von 50,01 Prozent der Stimmrechte zu kommen und so über einen Aktienpool gemeinsam das Unternehmen zu kontrollieren.
Allerdings hat die Bedeutung dieses Einflusses auch nachgelassen. Cordes hatte seinerzeit geplant, Metro, auf dessen Vorstandsvorsitz er 2008 wechselte, in Einzelteile zu zerlegen und die Tochterfirmen Real und Kaufhof zu verkaufen sowie möglicherweise sogar den Elektrohändler Media-Saturn an die Börse zu bringen. Am Ende sollten unter anderem hohe Sonderausschüttungen an die Gesellschafter stehen. Dieser Plan hat sich als nicht umsetzbar erwiesen.
Weitere Anteilsverkäufe seien nicht geplant. "Wir sind vom nachhaltigen Wertpotenzial sowohl von Metro als auch von Celesio überzeugt. Daher bleiben sie langfristig Ankerinvestments im Haniel-Portfolio", wurde Gemkow in der Mitteilung zitiert. "Die übrigen Haniel-Geschäftsbereiche CWS-Boco, ELG und Takkt sind nicht Gegenstand des verabschiedeten Maßnahmenpakets."