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Merken   Drucken   02.03.2005, 19:30 Schriftgröße: AAA

Alexej Miller: Der Putinist von Gasprom

Alexej Miller wird mit der Eingliederung von Rosneft in Gasprom nun auch zum Ölmagnaten. Von Gaswirtschaft hatte er bei Amtsantritt allerding wenig Ahnung. von Nils Kreimeier
Alexej Miller   Alexej Miller
Jeden Monat veröffentlicht die russische Tageszeitung "Nesawissimaja Gasjeta" zwei Ranglisten, die in Moskau mit Interesse studiert werden. Das eine Ranking führt die politisch einflussreichsten Russen auf, das andere die wichtigsten Geschäftsleute. Alexej Miller, Chef des weltgrößten Gasproduzenten Gasprom, taucht stets in beiden Listen auf. Die Reihe der Unternehmer führte er mit deutlichem Abstand an, bei den "Politikern" landet er auf einem guten Mittelfeldplatz, noch vor dem Außenminister und dem Generalstaatsanwalt.
Energiewirtschaft ist Politik in Russland, und kaum etwas macht dies deutlicher als die Nachricht, die Miller am Mittwoch verkündete. Gasprom wird mit dem staatlichen Ölkonzern Rosneft fusionieren, es entsteht ein neuer Energiegigant. Im Ergebnis erlangt der Kreml die Kontrollmehrheit an Gasprom und bekommt damit auch formal die russischen Gasreserven in seinen Griff. Sie garantieren laufende Deviseneinnahmen, aber auch Macht über die Abnehmer in den ehemaligen Sowjetrepubliken und im Westen.
Loyal zu Putin
Die wichtigste Aufgabe des 43-Jährigen ist damit eigentlich erfüllt. Als der schüchtern wirkende Mann mit dem rotblonden Haar im Mai 2001 von Russlands Präsident Wladimir Putin auf den Chefsessel von Gasprom beordert wurde, lautete sein Auftrag, den Konzern wieder unter die Fittiche des Kreml zu bringen. Das Gasimperium mit seinen über 300.000 Mitarbeitern war damals ein Geflecht von Unternehmenszweigen, deren Chefs oft in die eigene Tasche wirtschafteten. Größter Nutznießer dieser Bereicherung war Millers Vorgänger Rem Wjachirew, ein "Gaspromtschik" alter Schule. Wjachirew hatte sein Handwerk auf den Gasfeldern gelernt und im sowjetischen Ministerium für Gasindustrie Karriere gemacht.
Miller hingegen wusste bei seinem Amtsantritt wenig von Gaswirtschaft, aber er hatte eine Eigenschaft, die für Putin wesentlich wichtiger war: Er ist gegenüber dem Präsidenten bedingungslos loyal. Putin kennt Miller wie viele seiner Gefolgsleute aus seiner Zeit in der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Und er konnte mit der Arbeit seines Getreuen zufrieden sein. Miller holte die Kontrolle über große Teile der verstreuten Gasprom-Aktiva zurück, er warf die Kumpane seines Vorgängers aus dem Unternehmen und trug sogar dazu bei, die russische Medienlandschaft gleichzuschalten: Der Fernsehsender NTW, dem Miller die Meldung vom Mittwoch bescherte, ist mittlerweile Teil des Gasprom-Imperiums und handzahm geworden.
Miller ist ein typischer "Putinist", ein Manager und ausführendes Organ. Durch eigene Entscheidungen ist er hingegen bisher nicht aufgefallen. Trotzdem wird Miller im nächsten Moskauer Polit-Ranking wohl noch einige Plätze nach oben klettern.
  • FTD, 02.03.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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