Loyal zu PutinDie wichtigste Aufgabe des 43-Jährigen ist damit eigentlich erfüllt. Als der schüchtern wirkende Mann mit dem rotblonden Haar im Mai 2001 von Russlands Präsident Wladimir Putin auf den Chefsessel von Gasprom beordert wurde, lautete sein Auftrag, den Konzern wieder unter die Fittiche des Kreml zu bringen. Das Gasimperium mit seinen über 300.000 Mitarbeitern war damals ein Geflecht von Unternehmenszweigen, deren Chefs oft in die eigene Tasche wirtschafteten. Größter Nutznießer dieser Bereicherung war Millers Vorgänger Rem Wjachirew, ein "Gaspromtschik" alter Schule. Wjachirew hatte sein Handwerk auf den Gasfeldern gelernt und im sowjetischen Ministerium für Gasindustrie Karriere gemacht.
Miller hingegen wusste bei seinem Amtsantritt wenig von Gaswirtschaft, aber er hatte eine Eigenschaft, die für Putin wesentlich wichtiger war: Er ist gegenüber dem Präsidenten bedingungslos loyal. Putin kennt Miller wie viele seiner Gefolgsleute aus seiner Zeit in der Stadtverwaltung von St. Petersburg. Und er konnte mit der Arbeit seines Getreuen zufrieden sein. Miller holte die Kontrolle über große Teile der verstreuten Gasprom-Aktiva zurück, er warf die Kumpane seines Vorgängers aus dem Unternehmen und trug sogar dazu bei, die russische Medienlandschaft gleichzuschalten: Der Fernsehsender NTW, dem Miller die Meldung vom Mittwoch bescherte, ist mittlerweile Teil des Gasprom-Imperiums und handzahm geworden.
Miller ist ein typischer "Putinist", ein Manager und ausführendes Organ. Durch eigene Entscheidungen ist er hingegen bisher nicht aufgefallen. Trotzdem wird Miller im nächsten Moskauer Polit-Ranking wohl noch einige Plätze nach oben klettern.