In einer ersten Runde hätten mehrere Unternehmen Interesse bekundet, hieß es aus dem Konzernumfeld. Energieunternehmen und Infrastrukturfonds sollen unverbindliche Angebote eingereicht haben. Die Anlagen werden in der Branche mit umgerechnet rund 2 Mrd. Euro bewertet.
Bereits im Februar hatten Vertreter der Windkraftsparte von Babcock & Brown einen Verkauf von Anlagen in Europa in Aussicht gestellt. Der Wert der Windräder sei kräftig gestiegen, dieser Anstieg habe sich aber nicht auf den eigenen Aktienkurs übertragen, hieß es zur Begründung. Insgesamt besitzt der Großinvestor Winderzeugungskapazitäten von rund 830 Megawatt in Spanien, Portugal, Frankreich und Deutschland. Damit lassen sich rund 500.000 Haushalte mit Strom versorgen. Die Deutsche Bank und JP Morgan sind mit dem Verkaufsprozess betraut. Der Verkauf soll im Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden. Babcock & Brown wurde 1977 in San Francisco gegründet, der Sitz später nach Sydney verlegt.
Für Stromerzeuger, die bislang einen Großteil ihrer Produktion in Kohle- oder Gaskraftwerken erzielen, ist der Zukauf von Windparks ein Weg, den Anteil von erneuerbaren Energien zu erhöhen. Die Wirtschaftlichkeit der Windkraft, die in vielen Ländern noch subventioniert wird, steigt stetig mit dem Preis für CO2-Zertifikate, die Stromerzeuger für die Emissionen ihrer herkömmlichen Kraftwerke zukaufen müssen.
Zu den Interessenten für die Anlagen der Australier zählen die spanischen Energiekonzerne Iberdrola und Union Fenosa. Iberdrola, der weltgrößte Erzeuger von Windstrom mit Sitz in Bilbao, hatte erst in der vergangenen Woche Turbinen für 6,3 Mrd. Euro beim spanischen Anlagenbauer Gamesa geordert. Diese Turbinen sollen nach ihrer Installation insgesamt bis zu 4500 Megawatt Strom in Windparks in Europa, Mexiko und den USA erzeugen.
Auch die führenden deutschen Energiekonzerne Eon und RWE haben große Investitionen zum Aufbau von Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie, insbesondere aus Windkraftanlagen, angekündigt. Wegen "überhöhter Preisvorstellungen" der Australier will sich RWE aber wohl nicht am Bieterprozess um die Anlagen von Babcock & Brown beteiligen, hieß es im Konzernumfeld.
Eon wird in Branchenkreisen zumindest grundsätzliches Interesse nachgesagt, offiziell wollten sich aber RWE und Eon am Dienstag nicht dazu äußern. Ausdrücklich bekräftigte Eon-Chef Wulf Bernotat am Dienstag - unabhängig von den Windparks der Australier - das Vorhaben, bis 2010 insgesamt 6 Mrd. Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien zu investieren. Bereits heute erzeugt der Konzern nach eigenen Angaben rund zwölf Prozent seines Stroms aus diesen Trägern, vor allem aus Windkraft.
Die Einleitung des Verkaufsprozesses hat die Aktie von Babcock & Brown am Dienstag leicht steigen lassen. Seit Jahresanfang hat der australische Investor an der Börse fast 80 Prozent an Wert verloren. Wenn die Banken nun Schulden in Milliardenhöhe zurückfordern würden, könnten sie damit den Verkauf von Beteiligungen erzwingen.