Marijn Dekkers wäre bereit, Bayers Kunststoffsparte zu verkaufen, um einen Großzukauf im Pharmageschäft zu finanzieren. Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat lehnen die Pläne vehement ab.
von Klaus Max SmolkaBonn
Die Arbeitnehmerbank im neuen Aufsichtsrat von Bayer lehnt jegliche Pläne zu einer Aufspaltung des Chemie- und Pharmakonzerns ab. Sie werde sich "mit Sicherheit" gegen einen Verkauf der Kunststoffsparte wehren, sagte Betriebsratschef Thomas de Win nach den Aufsichtsratswahlen der Arbeitnehmer in Bonn. Dieser Schritt ist zwar nicht aktuell geplant, wird aber immer wieder erwogen.
Bayer-Chef Marijn Dekkers würde die Sparte nach eigenem Bekunden notfalls verkaufen, um einen Großzukauf im Pharmageschäft zu finanzieren. Peter Hausmann, Vorstandsmitglied der einflussreichen Gewerkschaft IG BCE, mahnte Augenmaß bei der Internationalisierung an. "Es wird darum gehen, eine gewisse Grunderdung bei Bayer als weltweit agierender Konzern zu erhalten." Dekkers verlagert momentan Stellen ins Ausland und ließ unlängst sogar zwei Konzernsparten mit Milliardenumsatz nach Asien umziehen: das Geschäft mit der Kunststoffklasse der Polykarbonate nach Schanghai und die Zentrale für die Allgemeinmedizin nach Peking.
Gegen den Willen der IG BCE boxen die Vorstände der deutschen Großchemie üblicherweise keine radikalen Veränderungen durch. Meist läuft es darauf hinaus, dass die Gewerkschaft am Ende im Gegenzug zu Zugeständnissen zustimmt - wie etwa bei der Ausgliederung des Chemiekonzerns Lanxess aus Bayer 2005. Die IG BCE ist in den meisten Chemiekonzernen die fast allein herrschende Kraft der Arbeitnehmer.
Bayer ist ein bemerkenswerter Sonderfall, wie sich in Bonn zeigte: Opponierende Listen, die den IG-BCE-Kurs als zu konsensorientiert beurteilen, setzten ihren Kandidaten Michael Schmidt-Kießling für den Aufsichtsrat durch. Er folgt André Aich, der bei der vorherigen Wahl vor fünf Jahren die Phalanx der IG BCE erstmals aufbrach.
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