"Eine A3 Limousine würde die Palette abrunden", hieß es aus Aufsichtsratskreisen. Das A3 Stufenheck, ein Auto mit echtem Kofferraumdeckel also, sei notwendig, um auf bestimmten Märkten erfolgreich zu sein. Zwar gibt es bereits weit gereifte Entwürfe in der Designabteilung bei Audi, eine endgültige Entscheidung durch das Kontrollgremium sei aber noch nicht gefallen, erfuhr die FTD aus Unternehmenskreisen. Gebaut werden soll der Wagen im ungarischen Gyor - Audi kommentierte das nicht.
Im Vergleich zu den Konkurrenten BMW und Daimler besitzt Audi auf dem US-Markt immensen Nachholbedarf. Zwar stieg der Absatz im ersten Halbjahr um 28 Prozent auf 48.440 im Vergleich zum Vorjahr, BMW und Daimler verkaufen dort aber doppelt so viele Autos. Auch Märkte wie Spanien, Portugal oder England sind klassische Verkaufsregionen für Stufenhecklimousinen wie den geplanten A3. Für Audi ist der Wagen in Golf-Größe nach dem A4 das wichtigste Massenmodell mit zuletzt 200.000 Verkäufen pro Jahr.
Um die Produktion des A3-Modells zu steigern, plant Audi den Ausbau des Werkes in Gyor zu einer vollwertigen Fahrzeugproduktion. Dies wird voraussichtlich auf der nächsten Aufsichtsratssitzung Ende September thematisiert. Bislang findet in Gyor ausschließlich eine Montage des A3 Cabrios und des Sportwagens TT statt - für eine komplette Fertigung fehlt dort ein Karosseriebau und eine Lackiererei. Um diese zu errichten, hatte die Volkswagen -Tochter nach einem Bericht der Fachzeitschrift "Automobilwoche" die Grundstücksfläche von 174 auf 369 Hektar mehr als verdoppelt. Ende Juni hatte Audi den Kaufvertrag mit der Stadt für das ehemalige Militärgelände unterschrieben.
Damit sind die Pläne, ein Werk in den USA zu errichten, erst einmal ad acta gelegt. Die VW-Tochter hatte in der Vergangenheit dort mit der Produktion des Geländewagens Q5 geliebäugelt, diese aber nach einer Kosten-Nutzen-Rechnung verworfen. Um wie vorgesehen weiter zu wachsen, benötigt Audi zusätzliche Kapazitäten. Im Rahmen seiner Wachstumsstrategie strebt Audi bis 2015 den Absatz von 1,5 Millionen Fahrzeugen an - im Krisenjahr 2009 kam der Autobauer auf gut 920.000 Autos.
Für Gyor spricht ein etabliertes Netz an Zulieferern und eine günstige Kostenstruktur. Ein Bandarbeiter im Audi-Werk Ungarn erhält nur ein Fünftel dessen, was ein Kollege in Ingolstadt verdient. Die Gewerkschaften am Standort Ingolstadt sind nach Insiderinformationen bereits alarmiert. Mitarbeitervertreter befürchten demnach, dass ein Ausbau der Fertigung in Ungarn Konsequenzen für den Standort haben könnte. Es ist davon auszugehen, dass die Arbeitnehmerseite eine Zustimmung für den Ausbau in Gyor an eine Beschäftigungssicherung knüpfen wird. Die Beschäftigungsgarantie läuft Ende 2011 aus: Demnach werden betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2011 für die rund 46.000 Belegschaftsmitglieder an den Standorten Ingolstadt und Neckarsulm ausgeschlossen.
Für Audi wäre ein Modell wie die A3 Stufenhecklimousine ein Novum - und ein absolutes Alleinstellungsmerkmal. Denn derzeit verfügen weder BMW noch Daimler über ein Fahrzeug in diesem Segment. BMW baut zwar einen 1er mit separatem Kofferraum, dieser besitzt als Coupé aber nur zwei Türen und verfügt mit mindestens 170 PS über beträchtliche Motorleistung. Daimler hat ein ähnliches Fahrzeug auf B-Klasse-Basis angekündigt, weshalb Branchenkenner wie Christoph Stürmer von IHS Global Insight davon ausgehen, dass Audi sich in diesem Segment vorsorglich munitioniert. Allerdings wird die A3 Limousine nicht vor 2013 auf den Markt kommen, so Insider - und damit später als das Konkurrenzprodukt von Daimler.
"Diese Nische der kleinen Premiumlimousinen ist nicht größer als 200.000 Stück jährlich", prognostiziert Stürmer. Bei Ablegern des A3 reichen Audi aber bereits kleinere Stückzahlen, um profitabel zu arbeiten. Neben dem Bestseller des fünftürigen Sportback, von dem Audi 2009 153.100 Autos verkaufte, gönnt sich die VW-Tochter auch weniger absatzstarke Ableger wie den Sportwagen TT oder das Cabrio. 2011 bringt die VW-Tochter eine neue Generation des A3 auf den Markt. Als erstes Auto im Konzern baut dieser auf dem kostensparenden Modularen Querbaukasten (MQB) auf.