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Merken   Drucken   09.01.2012, 08:00 Schriftgröße: AAA

Aufbau Ost und West: Automarkt als Zweiklassengesellschaft

Der europäische Automarkt stagniert - bestenfalls. Die Hersteller ringen 2012 um die Vormachtstellung in China und den USA. von Matthias Ruch  und Margret Hucko  Detroit
Die Autobauer müssen sich in Europa auf harte Zeiten einstellen. Während Optimisten lediglich mit einer Stagnation des drittgrößten Automarktes der Welt rechnen, warnen große Banken und Analysehäuser vor einem teils deutlichen Einbruch der Nachfrage. Experten der renommierten Marktbeobachter IHS und LMC Automotive prognostizieren einen Rückgang um mehrere Prozentpunkte. Morgan Stanley warnt sogar vor einem Minus von 6,5 Prozent.
Ob das die Vision für Städte im Jahr 2046 ist? Autos sind hier ...   Ob das die Vision für Städte im Jahr 2046 ist? Autos sind hier beim Aufbau des Messestands von Michelin in Detroit Ende vergangener Woche noch keine zu sehen
Mit den neuen Prognosen für 2012 wird offensichtlich, dass sich die Autobranche in Europa in zwei Klassen teilt. Global agierende Hersteller können regionale Einbrüche in anderen Regionen kompensieren. Wenn nun der Absatz in Europa schrumpft, verkaufen sie dafür mehr Fahrzeuge nach Asien und Amerika.
Düster ist der Ausblick dagegen für Hersteller wie PSA Peugeot Citroën aus Frankreich, die stark von Europa abhängig sind. PSA hat die eigene Prognose für dieses Jahr bereits nach unten korrigiert und sieht sich gezwungen, die Produktion zu drosseln. 6000 Stellen werden gestrichen. Ähnlich heikel sind die Aussichten für die Rivalen Renault und Fiat.
Für die Märkte in Asien und den USA sind die Aussichten dagegen weiter gut. Die deutschen Hersteller geben sich daher mit Ausnahme von Opel gelassen. "Wir haben Grund zu vorsichtigem Optimismus für das gerade begonnene Autojahr", sagte Matthias Wissmann, Chef des Branchenverbands VDA im Vorfeld der Automesse in Detroit. "Die wichtigen Märkte in den USA und in den Schwellenländern werden weiter wachsen. Dort sind wir sehr gut positioniert."
Experten erwarten für China und die USA ein Plus von je fünf bis zehn Prozent. 2011 war der US-Absatz um zehn Prozent auf 12,8 Millionen Fahrzeuge gewachsen. In diesem Jahr könnte das Volumen auf bis zu 14 Millionen steigen. Damit zählt Nordamerika weiter zu den wichtigsten Autoregionen der Welt.
Im Zentrum aber steht einmal mehr China. 40 Prozent aller Autos weltweit dürften 2011 in Asien verkauft werden. Fünf Jahre zuvor waren es gerade 25 Prozent gewesen.
Zwischen den drei größten Herstellern Volkswagen , General Motors  (GM) und Toyota  wird es zu einem spannenden Kampf um die Weltmarktführung kommen. 2011 war Toyota wegen der Katastrophe von Fukushima zurückgefallen. Nun geben sich die Japaner wieder siegessicher: 8,5 Millionen Autos will Toyota 2012 global verkaufen. 2011 war der Absatz auf sieben Millionen geschrumpft.
Ob der Titel des Weltmarktführers für 2011 an Volkswagen oder GM geht, hängt davon ab, ob den Amerikanern die Fahrzeuge aus ihrem Joint Venture mit Wuling in China zugerechnet werden. GM hatte den Anteil am Joint Venture im Zuge der Insolvenz von 50 auf 49 Prozent reduziert.
Den globalen Markt für Premiumautos führt derzeit BMW an. "Eine solche Konstellation auf dem Weltmarkt ist für die deutsche Automobilindustrie historisch neu. Noch nie zuvor hat es diese Dominanz gegeben", sagt Autoexperte Helmut Becker vom Institut für Wirtschaftsanalyse in München. Die deutschen Hersteller gewönnen überall Marktanteile dazu, weil sie dem Wettbewerb technologisch überlegen seien.
Kursinformationen und Charts
  Volkswagen 130,55 EUR  [-3.9 -2,90%
  General Motors 22,37 USD  [-0.48 -2,10%
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Dem Trend zu kleineren, leichten und verbrauchsarmen Fahrzeugen, der vor allem aus Europa angetrieben wird, steht in Amerika und Asien eine steigende Nachfrage nach besonders großen Fahrzeugen gegenüber. "80 Prozent der Chinesen planen beim nächsten Autokauf ein größeres Fahrzeug", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer. Um die Nachfrage in China vollständig bedienen zu können, müssen BMW , Daimler  und Audi ihre dortige Produktion weiter ausbauen.
In den USA, wo der Verkauf stark vom Benzinpreis abhängt, steigt die Nachfrage nach SUVs und Pickup-Trucks seit Monaten überdurchschnittlich. Der Ford  F-150, Amerikas meistverkauftes Auto, wurde im Dezember so oft verkauft wie seit fünf Jahren nicht. Solange der Spritpreis unter 4 Dollar pro Gallone bleibt, dürfte die Entwicklung weitergehen.
Neben Nordamerika und China wird Brasilien nun deutlich in den Fokus rücken. Bis vor Kurzem war die Zahl der dort vertretenen Hersteller noch überschaubar, dominiert wird der Markt bislang von VW und Fiat . Mit dem kräftigen Wachstum der brasilianischen Wirtschaft und dem Aufstieg von Millionen Brasilianern aus der Armut in die untere Mittelschicht steigt auch die Nachfrage nach Autos.
06:40:59 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Volkswagen 130,55 EUR   -2,90%  -3.9
General Motors 22,37 USD   -2,10%  -0.48
BMW 62,01 EUR   -3,11%  -1.99
Daimler 37,945 EUR   -2,54%  -0.99
Ford 10,66 USD   -1,66%  -0.18
Fiat 3,926 EUR   -5,12%  -0.212
  • Aus der FTD vom 09.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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