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Merken   Drucken   01.10.2012, 19:32 Schriftgröße: AAA

Aufmüpfiger Großaktionär: Arnaud Lagardère, der Torpedo aus Paris

Der Chefaufseher von EADS gilt als Lebemann, nicht so sehr als Luftfahrtvisionär. Bei der geplanten Fusion mit BAE offenbart er nun eine neue Seite: die des Zerstörers.
© Bild: 2012 AFP/AFP
Der Chefaufseher von EADS gilt als Lebemann, nicht so sehr als Luftfahrtvisionär. Bei der geplanten Fusion mit BAE offenbart er nun eine neue Seite: die des Zerstörers.
von Paris und München

Arnaud Lagardère hat eigentlich ein anderes Baby zu schaukeln. Ein echtes. Vor zwei Wochen hat seine Lebensgefährtin, das belgische Model Jade Foret, Tochter Liva zu Welt gebracht, das erste gemeinsame Kind. "Ich habe in meinem Leben das wahre Glück gefunden und fühle mich deshalb beruflich stärker denn je", hatte der 51 Jahre alte Verwaltungsratschef des europäischen Luftfahrtkonzerns EADS  schon verkündet, als er im Mai die Schwangerschaft seiner 29 Jahre jüngeren Freundin öffentlich machte.

So stark fühlt sich Lagardère, dass er plötzlich auch EADS bisher eher ungewohnte Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt: Der französische Medienmogul, der 7,5 Prozent am Konzern hält, droht die geplante Fusion mit dem britischen Rüstungsspezialisten BAE Systems zu torpedieren.

Unternehmensfusion Die Waffen von EADS und BAE

Der Plan habe "noch nicht bewiesen, dass er Wert für EADS schafft", teilte seine Holding am Montag mit. Der Vorstand sei aufgefordert, "unverzüglich die unerlässliche Überprüfung des Fusionsprojekts einzuleiten und dabei sämtliche Interessen der französischen Aktionäre besser zu berücksichtigen". Deutlicher hätte Lagardère sein Veto nicht androhen können. Sofort versuchte EADS-Chef Tom Enders, ihn zu besänftigen.

Lagardère ist nicht zu unterschätzen, obwohl ihm das Image eines unberechenbaren Lebemanns anhaftet. Nachdem 2011 ein Video von ihm und Freundin Jade in anzüglichen Posen im Internet aufgetaucht war, hatte er sich verteidigt: "Vielleicht bin ich ein untypischer Patron, na und?"

Dass er eben auch der Patron ist, weiß man bei EADS nur zu gut: Öffentlich kaum bekannt ist etwa, wie er vor zwei Jahren den Zukauf einer mittelgroßen US-Firma durch die EADS-Rüstungssparte verhinderte. Die Konzernführung hatte der Übernahme bereits zugestimmt. Lagardère war dagegen. Das Projekt scheiterte. Kritik des Vorstands an dem Mann, der seit Neuestem einen schneidigen Kurzhaarschnitt trägt, wird nie öffentlich geäußert. Dazu hat er zu viel Macht.

Lagardère spricht nicht nur für sich, er vertritt auch die Interessen Frankreichs, das 15 Prozent an EADS hält. Beide bilden bisher eine Schicksalsgemeinschaft, die durch die Fusion aufgelöst würde. Womöglich spielt Lagardère daher nur die Rolle des nützlichen Unruhestifters: Frankreichs Regierung zeigt wenig Begeisterung für den Zusammenschluss - wäre aber ungern für ein Scheitern verantwortlich.

Persönlich dürfte es Lagardère beim Gepolter gegen die Bedingungen der Fusion darum gehen, finanziell besser abzuschneiden. Seit Enders' Plan bekannt ist, haben EADS-Aktien 15 Prozent an Wert verloren. Den Verwaltungsratsvorsitz würde der meist braun gebrannte Tennisfan auch verlieren. Hinzu kommt, dass Lagardère sein EADS-Paket in der angedachten Beteiligungskonstruktion zwischen Paris und Berlin nicht mehr zu einem für ihn attraktiven Preis an Frankreich verkaufen könnte.

Dass er aussteigen will - und sich nun auch eine Chance dazu bieten könnte -, ist klar. Während der verstorbene Vater Jean-Luc zu den Gründervätern von EADS gehörte, scheint dem einzigen Kind Arnaud das Schicksal des Konzerns fast egal. Als er im Frühjahr turnusgemäß zum Verwaltungsratschef gewählt wurde, schwänzte er glatt das Aktionärstreffen. Wieder einmal. Mehrere EADS-Tranchen hat er schon zu Geld gemacht - und grundsätzlich entschieden, sich auf sein kriselndes Medienkonglomerat zu konzentrieren. Zu dem gehören Zeitschriften wie "Elle" und ein verlustreicher Sportrechtehandel. Infolge einer missglückten Finanzierungsaktion steckt Lagardère auch noch tief in den Schulden. "Le Monde" zufolge sollen sie rund 400 Mio. Euro betragen.

Also achtet Lagardère jetzt darauf, nicht noch mehr Geld zu riskieren. Und verhindert dafür notfalls auch die Fusion von EADS mit BAE.

  • Aus der FTD vom 02.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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