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Merken   Drucken   25.05.2012, 09:40 Schriftgröße: AAA

Ausbau der Kernenergie: Chinesen drängen auf britischen Atommarkt

Exklusiv Ein staatliches chinesisches Konsortium interessiert sich für die britische Kernkrafttochter von Eon und RWE. Es bahnt sich ein politisch heikler Deal an.
von Düsseldorf

Horizon , die britische Nukleartochter von RWE  und Eon , findet mühelos Kaufinteressenten. Die deutschen Konzerne und die Londoner Regierung haben nach FTD-Informationen bisher mit zwei Gruppen intensive Gespräche geführt, darunter ein Konsortium um chinesische Staatskonzerne. Weitere Bieter könnten aber noch einsteigen - die Anmeldefrist läuft am 15. Juni ab. Der von der Investmentbank Nomura gesteuerte Verkauf soll in den nächsten Monaten geschehen.

Der erwartete Kaufpreis ist mit rund 500 Mio. Euro zwar überschaubar, doch der Deal ist politisch heikel. Die britische Regierung will mit geschätzten Investitionen von bis zu 110 Mrd. Pfund (knapp 140 Mrd. Euro) eines der weltweit größten Neubauprogramme durchziehen. Horizon spielt dabei mit Plänen zum Bau von fast einem halben Dutzend Reaktoren eine wichtige Rolle.

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Sollten die Chinesen mitmischen, droht London eine neue Diskussion - um den Einfluss auf die britische Stromversorgung und die Sicherheit chinesischer Atomtechnologie. Doch die Chancen stehen gut: "Die Chinesen sind bereit, für den Markteintritt in Europa sehr hohe Preise zu zahlen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person. Die Firmengruppe aus den staatlich gelenkten Konzernen State Nuclear Power Technology und China Guangdong Nuclear Power sowie des japanischen Toshiba  hat nach britischen Zeitungsberichten bereits vor dem Ausstieg von RWE und Eon Möglichkeiten einer Beteiligung an Horizon ausgelotet. Toshiba ist Muttergesellschaft des britischen Atomkraftwerksbauers Westinghouse. Auch eine Allianz mit dem größten US-Kernkraftbetreiber Exelon  ist im Gespräch.

Ein Verkauf an dieses Konsortium sei aber keine ausgemachte Sache, warnten Insider aus deutschen Konzernen. Neben einer Koalition aus der französischen GDF Suez mit Spaniens Iberdrola sollen auch Investoren aus Russland und Saudi-Arabien vorgefühlt haben. Weder RWE noch Eon mochten sich dazu äußern.

Der britische Energieminister Charles Hendry zeigt sich offen für internationale Investoren. "Wir schließen keinen Partner aus, mit dessen Sicherheitsmaßnahmen wir zufrieden sind, egal woher er kommt", erklärte er vorige Woche im Londoner Parlament. Die Abgeordneten hatten sich in einer Anhörung die Horizon-Emissäre von RWE und Eon, Volker Beckers und Tony Cocker, vorgeknöpft.

Der Horizon-Käufer erwirbt einen Türöffner zum britischen Strommarkt. Horizon will mit Investitionen von bis zu 15 Mrd. Pfund (18,7 Mrd. Euro) fünf bis sechs Meiler mit einer Leistung von mehr als 6000 Megawatt bauen.

Letztlich eröffnet die Energiewende in Deutschland den Chinesen die Chance für einen Durchbruch in Westeuropa. Mit ausschlaggebend für den Rückzug aus Horizon war die finanzielle Schwächung von RWE und Eon durch den deutschen Atomausstieg. "Volker Beckers von RWE hat mir gegenüber zugegeben, dass die Furcht vor einer Herabstufung durch die Ratingagenturen eine Rolle bei der Entscheidung spielte", twitterte der Abgeordnete Barry Gardiner kürzlich.

Die chinesischen Konzerne können auf eine starke Basis in ihrem riesigen Heimatmarkt aufbauen. Die erst 2007 gegründete State Nuclear Power Technology etwa führt Chinas Neubauprogramm bei Kernkraft an - mit 26 Projekten das mit Abstand größte der Welt. Dass die staatlich gesteuerte Energiewirtschaft zum Einstieg in Europa entschlossen ist, hatte der Konzern Three Gorges Ende 2011 mit dem Einstieg bei Portugals Versorger EDP bewiesen. Mit einem Angebot von 2,7 Mrd. Euro für 21 Prozent der EDP-Anteile schnappten die Chinesen Eon die Beteiligung vor der Nase weg.

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  • Aus der FTD vom 25.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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