Mit Blohm + Voss hat sich Abu Dhabi Mar schon die zweite deutsche Traditionswerft in diesem Jahr gesichert. Im Juni stieg das mehrheitlich staatliche Schiffbauunternehmen bei der Nobiskrug-Werft im schleswig-holsteinischen Rendsburg ein.
Dabei hatte der deutsche Gesetzgeber erst in diesem Jahr das Außenwirtschaftsgesetz überarbeitet, um unliebsame Investoren aus dem Ausland zu stoppen. Neuerdings kann die Regierung jede mindestens 25-prozentige Beteiligung eines Nicht-EU-Investors bei deutschen Firmen blockieren. Davon machte sie bisher allerdings keinen Gebrauch. Schließlich sind arabische Fonds oft die Retter der insolvenzbedrohten Unternehmen und werden von Managern mit offenen Armen empfangen. Das Gesetz wird daher von Wirtschaftsvertretern als "zahnloser Tiger" kritisiert. Es sei "ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt" gewesen, sagte Oliver Wieck, Außenwirtschaftschef beim Industrieverband BDI.
Auch für den Autobauer Daimler kam der Wüstenstaat zur rechten Zeit: Das Emirat landete im März einen aufsehenerregenden Coup, als es mit 9,1 Prozent neuer Anteilseigner beim Stuttgarter Konzern wurde. Tausende Fahrzeuge auf Halde banden knappes Kapital, das Daimler dringend an anderer Stelle brauchte - zum Beispiel, um Lieferanten zu bezahlen. Entsprechend schnell ging das Geschäft über die Bühne: Schon am Tag der Bekanntgabe flossen knapp 2 Mrd. Euro auf das Konto von Daimler.
So viel hatte sich Abu Dhabi den Anteil kosten lassen. Der Autobauer hatte bereits Erfahrung mit Investoren aus dem Orient. Seit den 70er-Jahren ist Kuwait ein großer Einzelaktionär und heute mit 7,6 Prozent beteiligt. In den vergangenen Monaten sind sich Daimler und Abu Dhabi nähergekommen. Der Golfstaat nahm dem Autokonzern im Juli vier Prozent von dessen Anteil am US-Elektroautobauer Tesla ab.
Die Investoren aus dem Wüstenstaat zeigen auch Interesse an Industriezweigen mit filigraneren Produkten. So mischt Abu Dhabi derzeit die Chipindustrie auf. Im Mittelpunkt steht der Standort Dresden. Das Emirat hält die Mehrheit an Globalfoundries - einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Chipkonzern Advanced Micro Devices (AMD). Der Fonds Atic aus Abu Dhabi bietet nun 1,8 Mrd. $ für den Hersteller Chartered Semiconductor aus Singapur und wird das Unternehmen möglicherweise mit Globalfoundries verschmelzen.