FTD.de » Unternehmen » Industrie » Araber bauen Macht in Deutschland aus
Merken   Drucken   15.10.2009, 22:07 Schriftgröße: AAA

Außenwirtschaftsgesetz: Araber bauen Macht in Deutschland aus

Mit Übernahmen in Deutschland kennt Abu Dhabi sich inzwischen aus. Seit hiesige Unternehmen durch die Finanzkrise in Geldnot geraten sind, häufen sich die Beteiligungen der arabischen Staatsfonds.
von Kathrin Werner, Hamburg und Stuttgart

Mit Blohm + Voss hat sich Abu Dhabi Mar schon die zweite deutsche Traditionswerft in diesem Jahr gesichert. Im Juni stieg das mehrheitlich staatliche Schiffbauunternehmen bei der Nobiskrug-Werft im schleswig-holsteinischen Rendsburg ein.

Dabei hatte der deutsche Gesetzgeber erst in diesem Jahr das Außenwirtschaftsgesetz überarbeitet, um unliebsame Investoren aus dem Ausland zu stoppen. Neuerdings kann die Regierung jede mindestens 25-prozentige Beteiligung eines Nicht-EU-Investors bei deutschen Firmen blockieren. Davon machte sie bisher allerdings keinen Gebrauch. Schließlich sind arabische Fonds oft die Retter der insolvenzbedrohten Unternehmen und werden von Managern mit offenen Armen empfangen. Das Gesetz wird daher von Wirtschaftsvertretern als "zahnloser Tiger" kritisiert. Es sei "ein falsches Signal zum falschen Zeitpunkt" gewesen, sagte Oliver Wieck, Außenwirtschaftschef beim Industrieverband BDI.

Auch für den Autobauer Daimler kam der Wüstenstaat zur rechten Zeit: Das Emirat landete im März einen aufsehenerregenden Coup, als es mit 9,1 Prozent neuer Anteilseigner beim Stuttgarter Konzern wurde. Tausende Fahrzeuge auf Halde banden knappes Kapital, das Daimler  dringend an anderer Stelle brauchte - zum Beispiel, um Lieferanten zu bezahlen. Entsprechend schnell ging das Geschäft über die Bühne: Schon am Tag der Bekanntgabe flossen knapp 2 Mrd. Euro auf das Konto von Daimler.

Bilderserie Conti bis VW - Wo Araber investieren

So viel hatte sich Abu Dhabi den Anteil kosten lassen. Der Autobauer hatte bereits Erfahrung mit Investoren aus dem Orient. Seit den 70er-Jahren ist Kuwait ein großer Einzelaktionär und heute mit 7,6 Prozent beteiligt. In den vergangenen Monaten sind sich Daimler und Abu Dhabi nähergekommen. Der Golfstaat nahm dem Autokonzern im Juli vier Prozent von dessen Anteil am US-Elektroautobauer Tesla ab.

Die Investoren aus dem Wüstenstaat zeigen auch Interesse an Industriezweigen mit filigraneren Produkten. So mischt Abu Dhabi derzeit die Chipindustrie auf. Im Mittelpunkt steht der Standort Dresden. Das Emirat hält die Mehrheit an Globalfoundries - einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Chipkonzern Advanced Micro Devices  (AMD). Der Fonds Atic aus Abu Dhabi bietet nun 1,8 Mrd. $ für den Hersteller Chartered Semiconductor aus Singapur und wird das Unternehmen möglicherweise mit Globalfoundries verschmelzen.

  • Aus der FTD vom 16.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
Aktuelle Studien und Analysen

Alle Studien

© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler