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Merken   Drucken   28.04.2011, 10:09 Schriftgröße: AAA

Autobauer im Einkaufsfieber: VW baut Beteiligung an SGL Carbon aus

Mit prall gefüllter Konzernkasse geht Volkswagen auf Shoppingtour: Seine Anteile an dem Leichtbau-Spezialisten hat das Unternehmen in kurzer Zeit erheblich aufgestockt. Weitere Projekte auf der Wunschliste scheitern bisher an juristischen Hürden. von Margret Hucko  Hamburg und Klaus Max Smolka  Frankfurt
Der Volkswagen-Konzern kommt auf seiner Shoppingtour in Fahrt: Neben weiteren Automarken, die der Konzern sich einverleiben möchte, hat der Wolfsburger Hersteller überraschend schnell und lautlos seinen Anteil am Kohlefaser-Spezialisten SGL Carbon  aufgestockt.
"Volkswagen ist 2010 auf die Überholspur gegangen. Und genau dort wollen wir auch im laufenden Jahr bleiben", sagte VW-Chef Martin Winterkorn  am Mittwoch bei Vorlage der Geschäftszahlen für das erste Quartal. Ende März verfügte VW über eine Nettoliquidität von 19,65 Mrd. Euro - 38 Prozent mehr als im Quartal zuvor.
VW-Chef Martin Winterkorn   VW-Chef Martin Winterkorn
Der Autobauer, zu dem vom Billiganbieter Skoda bis zu Luxuswagen wie Bentley neun Marken gehören, befindet sich seit Längerem auf Einkaufstour. Auch mithilfe von Neuerwerbungen und strategischen Beteiligungen strebt VW  an, den japanischen Konkurrenten Toyota  als Nummer eins in der Welt abzulösen. VW hatte sich dieses Ziel ursprünglich für 2018 gesetzt.
Aufgrund der guten Geschäftsentwicklung, aber auch infolge der massiven Schwächung des Konkurrenten durch die Erdbebenkatastrophe in Japan, könnte die Wachablösung nun aber schon in diesem Jahr kommen. Toyota hat angekündigt, erst Ende 2011 wieder die gewohnte Produktionskapazität zu erreichen.
Kursinformationen und Charts
  Volkswagen 130,55 EUR  [-3.9 -2,90%
  SGL Carbon 31,475 EUR  [-0.56 -1,75%
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Durch die Beteiligung an SGL will VW die Kompetenz des Konzerns im Leichtbau ausbauen. Volkswagens Premiummarke Audi setzte bei Luxuslimousinen früh auf Aluminium-Karosserien, drohte aber durch die allgemeine Karbon-Euphorie in der Branche ins Abseits zu geraten.
SGL steigert Umsatz deutlich
Der im MDAX  notierte Wiesbadener Grafitspezialist SGL Carbon legte am Donnerstag Quartalszahlen vor und bekräftigte nach deutlichen Zuwächsen im ersten Quartal seine Prognose für das Gesamtjahr. Dank anziehender Geschäfte vor allem mit der Solar-, Halbleiter- und LED-Industrie stieg der Umsatz von Januar bis März um 20 Prozent auf 363,8 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) schoss um 40 Prozent auf 36,3 Mio. in die Höhe. Unter dem Strich verbesserte SGL das Ergebnis um 60 Prozent auf 14,9 Mio. Euro.
Konzernchef Robert Koehler sprach von einem starken Start ins Geschäftsjahr. "Wir bestätigen unseren Ausblick für dieses Jahr und erwarten ein Umsatzwachstum von mehr als zehn Prozent und ein Ebit zwischen 150 Mio. Euro und 165 Mio. Euro."
Ende März hielt VW bereits 9,9 Prozent an SGL Carbon, wie aus der Präsentation der Wolfsburger zu ihren Geschäftszahlen am Vortag hervorging. Erst Anfang vergangenen Monats hatte der Autobauer eine Beteiligung in Höhe von 8,18 Prozent an SGL bekannt gegeben - innerhalb von nur vier Wochen hat der Konzern aus Wolfsburg den Anteil also weiter aufgestockt.
VW hatte mit dem Einstieg bei SGL den Wettbewerber BMW  düpiert. BMW hat über die Großaktionärin Susanne Klatten Zugriff auf SGL, deren Investmentfirma Skion mit 22 Prozent den Hauptanteil an SGL hält. Skion drohte nach dem Einstieg von VW, notfalls den Anteil an SGL auf eine Sperrminorität von 25 Prozent auszubauen.
Leicht und fest Was Karbon alles kann
BMW unterhält mit SGL sogar ein Gemeinschaftsunternehmen. Branchenkreisen zufolge befürchtet BMW-Erbin Klatten, dass VW sich langfristig Zugriff auf die Karbontechnik sichert. Klatten sitzt im SGL-Aufsichtsrat. Der Stuttgarter Rivale Daimler hat sich mit dem Kohlefaserspezialisten Toray zusammengeschlossen.
VW strebte zuletzt keinen Platz in dem Gremium an - wollte dies aber langfristig nicht ausschließen. Auch hat sich der Wolfsburger Konzern von Anfang an die Option offengelassen, bis zu zehn Prozent der Stimmen an SGL zu erwerben. Für seinen knapp zehnprozentigen Anteil hat er 213 Mio. Euro an SGL gezahlt, so ein VW-Sprecher.
Nachdem VW bei SGL das selbst gesteckte Ziel erreicht hat, bleiben aber weitere Baustellen. Sowohl die Integration des Sportwagenbauers Porsche als auch die Gründung einer Lkw-Sparte mit den Marken MAN  und Scania  scheiterten bislang an juristischen Hürden. VW hält an Scania die Mehrheit, bei MAN sind es knapp 30 Prozent. Erst kürzlich hatte VW auch mit einer möglichen Beteiligung am japanischen Nutzfahrzeugspezialisten Isuzu für Aufsehen gesorgt.
Im Auftaktquartal stieg der VW-Umsatz um mehr als 30 Prozent auf 37,5 Mrd. Euro. Erstmals lieferte VW von Januar bis März zwei Millionen Autos aus. Der Gewinn betrug 1,7 Mrd. Euro - dreimal so viel wie im Vorjahr.
06:45:02 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Volkswagen 130,55 EUR   -2,90%  -3.9
SGL Carbon 31,475 EUR   -1,75%  -0.56
BMW 62,01 EUR   -3,11%  -1.99
Toyota Motor 3025 JPY   -1,63%  -50
  • Aus der FTD vom 28.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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