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Merken   Drucken   17.10.2012, 10:00 Schriftgröße: AAA

Autobranche: Keine Panik

Die Euro-Krise wird nicht spurlos an den deutschen Auto-Unternehmen vorbeigehen. Dank der Absatzmärkte in Fernost und Übersee ist Panik aber nicht angebracht.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Jochen Lübke
Leitartikel Die Euro-Krise wird nicht spurlos an den deutschen Auto-Unternehmen vorbeigehen. Dank der Absatzmärkte in Fernost und Übersee ist Panik aber nicht angebracht.

Die Einschläge kommen näher: Wer in Deutschland bisher immer noch glaubte, die Auswirkungen der Euro-Krise seien zwar politisch unangenehm, aber für die deutsche Wirtschaft im Großen und Ganzen vernachlässigbar, wird endlich umdenken müssen. Denn: Auch Deutschlands erfolgsverwöhnte Autobauer und die Zulieferbranche spüren inzwischen, wie ihnen die Krise die europäischen Absatzmärkte herunterzieht.

Natürlich gab und gibt es in der Automobilindustrie Überkapazitäten, mit deren Abbau viel zu lange gewartet wurde. Trotzdem ist offensichtlich, welch großen Anteil die europäische Schuldenkrise und die Sparprogramme beim Nachfragerückgang haben. Wenn in der Europäischen Union die Zahl der Pkw-Neuzulassungen im September den zwölften Monat in Folge geschrumpft ist, mag das vielleicht noch mit einer Normalisierung nach - zumindest aus deutscher Sicht - ausgewiesenen Rekordjahren begründbar sein. Aber die Entwicklung der Neuzulassungen in Ländern der Euro-Zone spricht eine eindeutigere Sprache: Frankreich minus 17,9 Prozent, Italien minus 25,7 Prozent, Spanien minus 36,8 Prozent. Selbst der bis dato größte Automarkt in Europa, der deutsche, verzeichnet ein Minus von über zehn Prozent - und wurde vom britischen überholt.

Es besteht aber kein Grund zur Panik. Und schon gar nicht für irgendwelche politischen Stützungsmaßnahmen à la Abwrackprämie. Die gegenwärtige Entwicklung auf dem Pkw-Markt ist nicht wirklich überraschend, und sie trifft die meisten Autohersteller und Zulieferer - anders als in der letzten Krise der Branche 2008/09 - nicht unvorbereitet. Einige konnten Rücklagen bilden, viele haben die Flexibilisierungsinstrumente in ihren Betrieben nie aus der Hand gelegt.

Klar ist auch, dass die deutschen Hersteller, allen voran Volkswagen , trotz aller europäischen Malaise, besser aufgestellt sind als die Konkurrenz in Frankreich oder Italien. Hier zahlt sich die starke Position der Deutschen auf Wachstummärkten in Asien oder Amerika aus. Ein Wettbewerbsvorteil, den Konkurrenten wie PSA  (Peugeot, Citroën) nur schwer ausgleichen können. Und der dazu führt, dass Platzhirsch Volkswagen seine dominierende Stellung unter den Autobauern in Europa ausbauen kann.

Auch die Zulieferer scheinen sich noch eine Zeit lang mit den wegbrechenden Absatzmärkten im Süden Europas arrangieren zu können. Insbesondere wenn die Weltwirtschaft nicht in eine Rezession abgleitet. Doch das ändert nichts an der grundsätzlichen Notwendigkeit, die Folgen der wirtschaftlichen Abschwächung in wichtigen Ländern der Euro-Zone im Auge zu behalten. Eine Deindustrialisierung großer Teile Europas kann jedenfalls niemand wollen.

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  • Aus der FTD vom 17.10.2012
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