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Merken   Drucken   23.02.2012, 07:05 Schriftgröße: AAA

Automarkt: PSA und GM taugen nicht als Fusionspartner

Leitartikel Die Autobauer beschnüffeln einander aus Kostengründen. Eine gemeinsame Perspektive haben sie jedoch nicht. Die ohnehin krisengeschüttelte GM-Tochter Opel könnte durch eine Fusion noch stärker ausgezehrt werden.
Auch wenn niemand in die Zukunft sehen kann - manchmal gibt es Indizien, wenn zwei nicht zusammenpassen. Lange vor einer Partnerschaft. Da hilft es auch nicht, dass einen die Verzweiflung oder die Einsamkeit in die Arme des anderen treibt. Oder dass manches billiger wird, wenn man zusammen werkelt. Irgendwie braucht es halt mehr, eine gemeinsame Perspektive zum Beispiel, um nicht zu sagen: eine Vision, damit so was Sinn ergibt. Genau das aber fehlt bei der geplanten Kooperation des amerikanischen Autoriesen General Motors  (GM) mit seinen europäischen Töchtern und Europas zweitgrößtem Autokonzern PSA .
Ein Mitarbeiter im Firmensitz von Opel in Rüsselsheim   Ein Mitarbeiter im Firmensitz von Opel in Rüsselsheim
Auf den ersten Blick hat die Verbindung sicher ihre Reize - und mit einem oberflächlichen Verweis auf die erfolgreiche Symbiose von Fiat und Chrysler mag sich mancher Investor schon gefreut haben: Vielleicht wird ja noch mehr draus. Aber erstens haben das weder PSA noch GM auf der Agenda, und zweitens hinkt der Vergleich, denn während sich Fiat und Chrysler ergänzt und neue Wachstumsperspektiven eröffnet haben, geht es bei PSA-GM offenbar schlicht um Kostenreduktion. Mehr ist auch nicht drin, weil sie auf wichtigen Märkten entweder nicht vertreten sind oder sich gegenseitig im Weg stehen. GM hat seine Tochter Opel an den engen europäischen Markt gefesselt, wo sie mit PSA konkurrieren muss und nur Verluste einfährt. Und PSA sucht verzweifelt nach einer Möglichkeit, doch noch auf den Auto-Wachstumsmärkten in Asien Fuß zu fassen - bei den Franzosen herrscht hier inzwischen Torschlusspanik.
Doch die Probleme der beiden Konzerne werden mit der geplanten Kooperation nicht wirklich gelöst. Am ehesten dürfte noch PSA profitieren, das zum Beispiel an der Entwicklungskompetenz in Rüsselsheim partizipieren könnte. Für die GM-Tochter Opel jedoch bringt das Ganze wenig, im schlimmsten Fall wird die Marke noch mehr ausgezehrt. Eigentlich braucht der Weltkonzern GM keinen Partner, um seine europäischen Probleme zu lösen - es ist schlicht eine Frage guten Managements, noch verborgene Synergien im Konzern zu identifizieren. Und für PSA wäre ein Partner in Asien die bessere Wahl. Vielleicht sollten die Franzosen mal bei Suzuki anklopfen. Vielleicht hätten die wieder Interesse an einer Kooperation mit einem großen europäischen Autokonzern.
  • Aus der FTD vom 23.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 24.02.2012 18:25:59 Uhr   mycer: lieber andere Partner

    Einer Fusion mit GM stehe ich grundsätzlich sehr skeptisch gegenüber. Über eine Kooperation kann man reden, jedoch sollte man auch andere mögliche Partner in Betracht ziehen.
    Ich finde es nur bedingt wünschenswert, dass Unternehmen in wichtigen Technologien mit Firmen im Ausland fusionieren, gerade in diesem Fall, wo ich nur geringe Vorteile sehe, aber viele mögliche Nachteile, die eintreten können. Es könnten Nachteile bezüglich der Verlagerung der Produktion u. Entwicklung ins Ausland eintreten (also ins GM-Mutterland, USA). Diese Gefahr ist aber geringer, wenn auch weiterhin französische Aktionäre eine signifikante Beteiligung haben. Man braucht sich doch nur mal die Fusion der NYSE mit Euronext ansehen: davon profitiert hat nur der amerikanische Finanzplatz; Paris usw. haben dadurch wesentlich an Bedeutung verloren.
    Mögliche weitere Partner wären BMW und Toyota, auch Hyundai/KIA, ggf. auch Mitsubishi u. a. asiatiasche Hersteller, die in Europa zwar bedeutungslos sind, mit denen man aber bezüglich der Entwicklung neuer Technologien und damit einhergehender Kostenreduktionen kooperieren kann.
    Skeptisch sehe ich GM auch deshalb, weil ich das Unternehmen immer noch für sanierungsbedürftig halte, gerade auch in Europa. Man sollte sich nicht mit einem Partner belasten, der finanzielle, strukturelle und im Vergleich zu Wettbewerbern auch teilweise technologische (veraltet, unmodern) Probleme hat, gerade auch, wenn die Vorteile eher gering sind. Zumal es PSA ganz gut geht, mal abgesehen von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa, deren Gründe aber außerhalb des Unternehmens liegen.
    Dadurch könnte PSA eher belastet werden, als das sie davon protitieren. Es ist zwar möglich, dass sie davon profitieren, weil GM nicht völliger Mist ist, es ist aber auch nicht sicher. Vielleicht tritt auch beides ein, z. B. Nachteile in Bezug auf verschiedene Regionen (Fokus wird auf eine Region gelegt, in der GM stark ist - wäre aber auch möglich, dass beide Regionen+Unternehmen davon profitieren, also eine Kooperation zum beiderseitigen Vorteil), finanzielle Vorteile u. ä.

  • 23.02.2012 13:46:38 Uhr   Tengil: Und ...
  • 22.02.2012 22:08:11 Uhr   JOHANNES HANNA: PSA und GM fusionspläne
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