Der Zulieferer Magna sieht sich als Gewinner der Kooperationsorgie in der weltweiten Autobranche. Auch das neue Bündnis zwischen General Motors (GM) und PSA Peugeot Citroën könne dem österreichisch-kanadischen Unternehmen einen Wachstumsschub verpassen, sagte Europa-Chef Günther Apfalter der FTD. "Es eröffnet Chancen für einen neutralen Partner wie Magna, als Mediator aufzutreten." Entwicklungsaufträge für neue Plattformen werden gern an Dritte vergeben, weil sich die direkt Beteiligten in Streit verstricken, sagt Apfalter.
Der Magna-Manager widerspricht damit der verbreiteten Ansicht, wonach Kooperationen in der Autoindustrie ausschließlich zum Abbau von Beschäftigung führen. PSA und GM planen beispielsweise Synergien in Höhe von 2 Mrd. Dollar pro Jahr, die mittelfristig zu Stellenstreichungen führen könnten. Wie Magna von Bündnissen profitiert, belegt die Renault -Daimler -Allianz. So entsteht etwa ein neuer Kleinwagen bei Magna, der dort wiederum Arbeitsplätze sichert.
Magna ist einer der größten Autozulieferer und arbeitet mit fast allen Herstellern zusammen. Zum einen versorgt Magna Konzerne mit Teilen, darüber hinaus entwickelt das Unternehmen komplette Autos und kann sie in eigenen Werken auch bauen.
Der Europa-Chef kündigte an, Magna werde vor allem in Osteuropa und Südamerika wachsen: "Bis 2014 werden wir 40 neue Standorte eröffnen." Dafür werde Magna zwischen 1,3 bis 1,5 Mrd. Euro investieren. Ein Teil des Wachstum soll aus Übernahmen kommen. An einem Kauf der legendären italienischen Autoschmiede Pininfarina, die in der Vergangenheit unter anderem Ferrari-Modelle entworfen hat, sei Magna aber nicht mehr interessiert, so Apfalter. Gründe nannte er nicht. Ende vergangenen Jahres hatten die Österreicher, die 2009 auch an Opel interessiert waren, den deutschen Aluminiumdruckguss-Spezialisten BDW übernommen.
Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern den Umsatz um 22 Prozent auf 29 Mrd. Dollar. Der Betriebsgewinn lag bei 1,2 Mrd. Dollar. Im laufenden Jahr erwartet der Konzern eine weitere Steigerung von Umsatz und Gewinn. "Magna ist derzeit sehr gut ausgelastet", so Apfalter.
Zulieferer hängen stark vom Wohlbefinden ihrer Auftraggeber ab. Das Risiko eines Rückschlags ist enorm. Bricht der Absatz ein, versuchen die Hersteller zunächst, die Last weiterzugeben. Magna hatte in der Krise 2009 ernste Probleme. Denn viele Autobauer zogen ihre Fahrzeugproduktion ab, um die eigenen Fabriken auszulasten. Zuletzt hatte Aston Martin die Fertigung des viertürigen Coupés Rapide zurück nach England geholt. Derzeit produziert Magna 136.000 Autos jährlich für Hersteller in Graz, wie den Mercedes-Geländewagen G-Klasse.
Das Geschäft von Entwicklungsdienstleistern wie Magna boomt allerdings derzeit. Denn die Hersteller versuchen, durch immer neue Varianten zusätzliche Kundengruppen zu locken. Jede Automarke entwirft heute neben gewöhnlichen Limousinen auch Cabrios, Coupés und Geländewagen. Anbieter dieser Arbeiten profitieren davon.
Entwicklungsdienstleister Bertrandt aus Ehningen bei Stuttgart etwa platzt aus allen Nähten. Die Mitarbeiterzahl wuchs im vergangenen Jahr um fast ein Drittel auf knapp 9000. Der Markt ist in Bewegung. Gute Entwicklungsdienstleister werden gesucht. Daimler verkaufte im Herbst die Mehrheit der Tochter MBtech an den französischen Konkurrenten Akka Technologies.
Neues Projekt von Magna ist die Konstruktion eines neuen Kompaktwagens für die Premiummarke Infiniti von Nissan . Der japanische Konzern ist zusammen mit dem Schwesterunternehmen Renault ein Bündnispartner von Daimler. Die Allianz entwickelt Antriebe, Klein- und Kompaktwagen zusammen. Apfalter hofft darauf, dass der künftige Kompaktwagen von Infiniti jetzt auch bei Magna gebaut werden kann. Einen Beschluss gebe es noch nicht. "Da sind wir in den letzten Verhandlungen."