Bosch Akuschrauber IXO
Gute Ideen gab es in Deutschland schon viele, doch oft wurden sie schlecht vermarktet. Beim Ixo von
Bosch war das anders. Der handliche Akkuschrauber wurde im vergangenen Jahr zum meistverkauften Elektrowerkzeug der Welt - weil Entwicklung und Marketing Hand in Hand arbeiteten.
Am Anfang stand eine Idee: Wenn alles kleiner wird, Computer, Handys, MP3-Player, warum nicht auch Akkuschrauber? Zwölf Monate später brachte Bosch, der weltgrößte Hersteller von Elektrowerkzeugen, den Ixo heraus. Ein Akkuschrauber im Handy-Format, der erste mit Lithium-Ionen-Akku. Den verwendet man normalerweise für Mobiltelefone, weil er klein und leistungsstark ist. Die Idee, damit ein Elektrowerkzeug anzutreiben, schlug am Markt ein wie eine Bombe: Im vergangenen Jahr war der Ixo das meistverkaufte Elektrowerkzeug der Welt.
"Eigentlich hatten wir mit einem Absatz von 500.000 Stück gerechnet", sagt Bernd Müller, als Brand Director für die Vermarktung der Heimwerkergeräte bei Bosch zuständig. Und dieses Ziel galt schon als ambitioniert. Normalerweise verkauft Bosch von einem neuen Akkuschrauber pro Jahr höchstens 300.000 Stück.
Alles ist anders
Doch die Nachfrage überrollte das Stuttgarter Unternehmen geradezu: 1,5 Millionen Ixo wurden im ersten vollen Verkaufsjahr 2004 abgesetzt. Insgesamt 2,5 Millionen sind es bisher. Ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Denn beim Ixo ist alles anders. Er passt in die Hosentasche und ist ideal für den Zusammenbau von engen Schränken und anderem geschraubten Inventar. Das liegt am kleinen Akku, der noch einen unschlagbaren Vorteil hat: Er hält über mehrere Monate die Ladung aufrecht. Gewöhnliche Akkus verlieren monatlich 20 Prozent ihrer Leistungsfähigkeit. Das heißt: "Wenn man den Akkuschrauber braucht, ist der Akku leer", sagt Marken-Manager Müller. Zudem haben herkömmliche Akkus einen "Memory-Effekt": Werden sie halb leer wieder aufgeladen, verlieren sie Speicherkapazität.
"Uns kam zugute, dass wir mit Sony ohnehin an Lithium-Ionen-Akkus gearbeitet haben", sagt Müller. Denn die kleinen Kraftquellen sind normalerweise für den hohen Strombedarf eines Werkzeugs nicht geeignet. Doch der Durchbruch gelang. Der Vorsprung der deutsch-japanischen Zusammenarbeit ist deutlich: Noch immer gibt es kein Konkurrenzmodell zum Ixo. "So bestehen wir gegen den scharfen Wettbewerb aus aller Welt", sagt Rudolf Fuchs, der die Entwicklung neuer Heimwerkergeräte bei Bosch verantwortet.
Mit dem Bestseller hat Bosch einmal mehr seine Innovationskraft bewiesen. Der Industriekonzern in Stiftungshand ist unter Ingenieuren besonders beliebt. 22.000 Forscher und Entwickler arbeiten hier an Projekten wie dem unfallfreien Auto oder der intelligenten Kamera, die stehen gelassene Koffer auf Flughäfen erkennt. In vielen Bereichen wie Kfz-Technik und Automatisierung (Rexroth) gilt das Unternehmen als Technologieführer.
Problem: Vermarktung
Doch der Erfolg des Ixo basiert nicht nur auf Ingenieurskunst. "Oft genug wurden in Deutschland bahnbrechende Produkte entwickelt, aber nicht richtig vermarktet", sagt Müller. Das Faxgerät (Siemens) oder der Videorekorder (Loewe) gelten als Paradebeispiele: In Deutschland erfunden, von Japanern zum Erfolg gemacht. Das sollte dem Ixo nicht passieren. "Wir entwickelten mehrere Verpackungen, unter anderem eine Keksdose aus Blech", erzählt Müller über das Ixo-Marketing. In Blech verpackt, wurde das Produkt zum originellen Weihnachtspräsent, Lifestylemagazine berichteten über den Power-Zwerg für Heim und Garten. "35 Millionen Leserkontakte hatte unsere PR-Kampagne", sagt Müller. Erstmals schaffte es Bosch, dass ein Elektrowerkzeug von mehr Frauen (60 Prozent) als Männern gekauft wurde. Zudem wurde mit 49,95 Euro ein moderater Verkaufspreis empfohlen. Die Produktion des Geräts in Malaysia machte es möglich.
Mittlerweile ist die zweite Ixo-Generation auf dem Markt: Eine Diode beleuchtet nun den Arbeitsbereich, eine Ladeanzeige gibt Auskunft über den Zustand des Akkus, eine Ablageschale mit integriertem Ladegerät liegt bei.
Und da sich Bosch nicht auf dem Erreichten ausruhen will, wird nun das zweite Gerät mit Lithium-Ionen-Akku auf den Markt gebracht: Prio, ein handlicher Akkuschleifer, "ideal für das Restaurieren kleiner Möbel oder das Reinigen von Terrakotta-Töpfen", gibt Müller zwei Anwendungsbeispiele. Also erneut ein Gerät vor allem für die Frau im Haus.