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Merken   Drucken   07.11.2008, 19:21 Schriftgröße: AAA

Betteln um Staatshilfe: Bei Ford und GM versickern Milliarden  

Beide US-Autohersteller haben im dritten Quartal zusammen 15,5 Mrd. Dollar Kapital verbrannt. Nur ein schnelles Eingreifen der US-Regierung könnte eine Pleite noch verhindern. GM hat die Gespräche zur Übernahme von Chrysler auf Eis gelegt. von Matthias Ruch (New York)
Die angeschlagenen US-Autobauer türmen immer höhere Verluste auf. Ein Jahr zuvor lag der Verlust von Ford auf vergleichbarer Basis bei 24 Mio. $. Das teilte der Konzern am Freitag vor Handelsbeginn mit. Das Ergebnis fiel deutlich schlechter aus als von Experten erwartet.
Bei General Motors stieg der Quartalsverlust auf 2,5 Mrd. $. Der Konzern hatte die für heute angekündigte Veröffentlichung seiner Zahlen verzögert, die Aktie war zeitweilig vom Handel ausgesetzt. Nach der Veröffentlichung der Zahlen brachen die Papiere von General Motors (GM)  zunächst um 15 Prozent ein.
In einer Pressemitteilung wies der Konzern auf die Belastung durch"noch nie dagewesene Turbulenzen in der Wirtschaft und am Kreditmarkt" hin. Sowohl in den USA als auch in den übrigen großen Absatzgebiete entwickelt sich das Geschäft schlecht. Insgesamt sei die Lage so schlimm wie seit rund 70 Jahren nicht mehr.
Bei Ford ist durch den drastischen Nachfrageeinbruch ist der Umsatz um über ein Fünftel auf 31,1 Mrd. $ gesunken. Gleichzetig verbrauchte der Konzern Kapital in Höhe von 7,7 Mrd. $, es verbleiben jetzt insgesamt noch 29,6 Mrd. an Liquidität für den weiteren Betrieb.
Die Ford-Aktie  fiel nach der Ankündigung zu Börsenbeginn um mehr als 5 Prozent.
Eindringlich hatten die Chefs der drei US-Autohersteller, Ford, General Motors und Chrysler zuvor in Washington um Staatshilfe gebeten - unterstützt von der mächtigen Autogewerkschaft UAW und Vertretern der Zulieferer. Sie alle wissen: Wenn einer der "Großen Drei" Pleite geht, zieht er die gesamte Branche mit in den Abgrund.
Jeder zehnte Arbeitsplatz in den USA hänge direkt oder indirekt an der Autoindustrie, rechnete Troy Clarke, GM-Chef für Nordamerika, vor. "Der Einbruch beim Verbrauchervertrauen in Kombination mit den Schwierigkeiten, Kredite zu bekommen, hat in den vergangenen Monaten fast zu einem Kollaps des Automarktes geführt", so Clarke. Die nächsten 100 Tage würden "kritisch".
Clarkes Chef Rick Wagoner hat indes die Gespräche zur Übernahme des Wettbewerbers Chrysler vorerst beendet. Ein Zukauf habe in der näheren Zukunft keine Priorität, sagte Wagoner, am Freitag in einer Telefonkonferenz zur Veröffentlichung der Quartalszahlen. GM wolle sich stattdessen völlig auf seine Finanzlage konzentrieren.

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  • FTD.de, 07.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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