Ist das der Anfang vom Ende des Biosprits? Die EU-Kommission plant laut Berichten eine Regelung, laut der die Subventionen für Biodiesel ab 2020 entfallen sollen. Es wäre eine historische Kehrtwende - und eine, die überfällig ist. Das ist zwar noch nicht das Ende des ungeliebten E10-Benzins in Deutschland. Aber der Entwurf könnte immerhin zeigen, dass in der Politik ein Umdenken einsetzt, wie der Verkehr umweltfreundlicher wird.
Die Idee des Biosprits wurde populär in Zeiten der Klimadiskussion: Treibstoff sollte aus heimischen, nachwachsenden Rohstoffen gewonnen werden statt aus endlichen Lagerstätten in politisch instabilen Regionen. Vor allem aber sollte im Verkehr ein ähnliches Rezept angewendet werden wie beim Strom: Das Angebot an Energie sollte zunehmend aus ökologischer Produktion kommen - statt den Verbrauch zu reduzieren. Die Bauernlobby machte sich das Ziel schnell zu eigen, schließlich lockten gesetzliche Abnahmeverpflichtungen und Subventionen. Und auch die Autohersteller unterstützten dies, technisch war beinahe egal, was ihre Fahrzeuge tankten. Und sie konnten weiter immer größere, schwerere und teurere Autos bauen.
Doch das Konzept - ökologische Energieproduktion, herkömmlicher Energieverbrauch - funktioniert mit Strom, wo die Energie tatsächlich klimaneutral durch Wind und Sonne hergestellt werden kann und so der Kohlendioxidausstoß mittelfristig sinkt. Nicht aber im Verkehr, für den Biosprit aufwendig angepflanzt und verarbeitet werden muss und überdies Flächen für den Anbau für Lebensmittel und Futter verbraucht. Auch die Hoffnungen auf Biosprit der sogenannten zweiten Generation haben sich bislang nicht erfüllt. Benzin und Diesel aus Pflanzenresten, Algen und Abfall zu produzieren ist noch immer im Erprobungsstadium - und technisch wie energetisch noch immer viel zu aufwendig.
Wenn das Ziel, den Kohlendioxidausstoß auch im Verkehr zu senken, tatsächlich aufrechterhalten werden soll, geht das offensichtlich besser über eine Senkung des Verbrauchs. Denkbar ist vieles, von der Unterstützung benzinsparender Modelle bis hin zur staatlichen Förderung von Elektrofahrzeugen.
Allerdings hat die Förderpolitik beim Solarstrom gezeigt, dass die Subventionen spezieller Techniken marktverzerrend sind. Sinnvoller wäre es daher, berechenbare Grenzwerte festzulegen oder zum Beispiel den Verbrauch schrittweise zu verteuern, über die Mineralölsteuer oder als CO2-Abgabe. So würde die Politik die Wirtschaft - Kunden wie Hersteller - animieren, selbst auf klimafreundlichere Fahrzeuge umzusteigen. Aber auf welches Instrument sich die Politik letztlich auch immer einlässt - solange sie endlich vom Biosprit ablässt, wäre schon vieles gewonnen.
Leider vergessen die Biospritgegner, dass bei der Produktion von Biosprit auch hochwertige Futtermittel entstehen. Wird kein Biokraftstoff mehr aus Getreide produziert, müssen diese Futtermittel anderweitig produziert werden. Dafür braucht man fast soviel Ackerfläche wie für die Biospritproduktion. Wo sollen also die zusätzliche Lebensmittel angebaut werden und wo wird beim Anbau der Futterpflanzen CO2 gespart?
Wer sich wirklich um den Hunger in der Welt sorgen macht, sollte lieber kein Fleisch essen. Für ein Kilogramm Fleisch zu produzieren müssen mehrere Kilogramm Getreide eingesetzt werden, die man ansonsten direkt als Lebensmittel verwenden könnte. Aber gegen E10 zu sein ist einfacher und moderner, als beim Fleischkonsum Verzicht zu üben.