Arme Pflanze. Für sie dürfte jeder Tropengarten zu spät kommen. Es ist nicht gut gelaufen für das Bürogewächs. Der Ficus Benjamini steht verlassen neben dem Schreibtisch. Durch die Topferde ziehen sich Risse wie in einer Salzwüste. Licht hat er auch kaum. Der Himmel lässt in diesen Tagen nur einen jammervollen Schein auf die Mark Brandenburg rieseln. Durch ein schmutziges Fenster sieht man draußen die Halle, sie liegt da wie eine Riesenschildkröte, die den Kopf eingezogen hat.
Im Bürocontainer der insolventen Cargolifter AG ist niemand mehr, der Pflanzen gießen könnte. Nicht die Leute von der Produktionsleitung für das Luftschiff, die hier einst untergebracht waren, nicht Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning, der hier Quartier bezog, als Cargolifter im Mai 2002 Pleite ging.
Und Colin Au, der kleine Herr aus Malaysia, wird dem Grünzeug wohl auch keinen Tropfen spendieren, obgleich er gerade so nah am Blumentopf steht, dass er den Lufthauch der fallenden Blätter spüren könnte. Dabei denkt der Mann den ganzen Tag an Pflanzen. An Tausende riesige Pflanzen - und wie man damit Geld machen kann. Seine Finger, die selbst wie dürre Zweiglein aussehen, klammern einen Bauplan. Die Pupillen verschanzen sich hinter zugekniffenen Lidern, verfolgen von dort die Linien auf dem Pergament. "Stapler", sagt er leise auf Englisch, "Stapler". Er will die Bögen zusammenheften. Jemand eilt los und holt einen Bürohefter.
Colin Au ist zierlich wie aus Papier gefaltet, und doch hört hier alles auf sein Kommando. Der Geschäftsmann hat die mehr als 100 Meter hohe Werfthalle von Cargolifter gekauft, für 17,5 Mio. Euro. Ein Schnäppchen. Er will darin für 70 Mio. Euro eine Art Erlebnis-Gewächshaus einrichten, "Tropical Island". "Es ist das erste große malaysische Investment in Deutschland" , sagt er. So ändern sich die Zeiten: Einst galt Malaysia als Boom-Markt, der nach deutschen Investoren giert. Heute freuen sich die Deutschen, wenn sich ein Mann aus Malaysia für die Ruinen des Aufbaus Ost interessiert. "Wir werden es Dome nennen", sagt Au: "Dome klingt besser als Hangar." Sollte sein Plan aufgehen, wäre der "Tropical Island Dome" das erste erfolgreiche Infrastruktur-Projekt im Osten - mit bis zu 2500 Arbeitsplätzen, ein Traum für eine Region mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit.