Der Druckmaschinenhersteller Koenig & Bauer (KBA) steigt in den chinesischen Massenmarkt ein. "Geplant ist, die Mehrheit an einem chinesischen Hersteller für Bogenoffsetmaschinen zu übernehmen", sagte Vorstandschef Claus Bolza-Schünemann im Gespräch mit der FTD. Einen Namen wollte er auf Nachfrage nicht nennen. Noch 2012 soll der Vertrag unter Dach und Fach sein. "Wir sehen gute Möglichkeiten, das chinesische Produkt mit unserem Wissen zu optimieren, ohne es zu einem deutschen Highendgerät zu machen", sagte er auf der Branchenmesse Drupa. Die dort gebauten Maschinen seien für den chinesischen Markt.
Der weltweit zweitgrößte Druckmaschinenhersteller erzielt zwar in China rund 15 bis 20 Prozent seines Umsatzes, hat dort bisher aber keine eigenen Fabriken. Das Land ist aber mittlerweile der größte Druckmarkt der Welt - und der größte Abnehmer deutscher Druckmaschinen. Allein 2011 orderten die Chinesen Maschinen im Wert von 1,1 Mrd. Euro und damit ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Getrieben wird das Wachstum vor allem durch den zunehmenden Konsum, der dem Werbe- und Verpackungsdruck zugutekommt. Auch Branchenprimus Heidelberger Druckmaschinen produziert in China - und zwar Standard-Vierfarbdruckmaschinen für einfache Ansprüche. Für Heideldruck ist China bereits mit 420 Mio. Euro Umsatz der wichtigste Einzelmarkt, noch vor Deutschland.
Ein gleichberechtigtes Joint Venture mit einem chinesischen Konkurrenten kommt für KBA-Chef Bolza-Schünemann nicht infrage. "Das entspricht nicht unserer Firmenphilosophie", sagte der Chef des börsennotierten Familienunternehmens mit 1,2 Mrd. Euro Umsatz. Zudem sei das Risiko, kopiert zu werden geringer, wenn KBA das Sagen habe. Die chinesische Regierung hatte kürzlich die Vorschriften gelockert und lässt in einigen Fällen nun auch Mehrheitsbeteiligungen ausländischer Firmen zu.
Der 56-jährige Bolza-Schünemann führt den ältesten Druckmaschinenbauer der Welt in sechster Generation. Die Firmengründer Friedrich Koenig und Andreas Bauer stellten vor 200 Jahren in London ihre erste Zylinderdruckmaschine vor - damals eine technische Revolution nach 360 Jahren Gutenberg'scher Handpresse. Seit 2004 ist das Würzburger Unternehmen im Börsensegment SDAX gelistet, 30 Prozent der Aktien befinden sich aber noch im erweiterten Familienkreis.
Wie die gesamte Branche litt KBA zuletzt unter der wachsenden Konkurrenz für Printprodukte durch das Internet und unter der Finanzkrise. Dennoch gelang es dem Unternehmen, die letzten drei Jahre mit einem Gewinn abzuschließen. Dazu trug entscheidend das Geschäft mit Sondermaschinen bei, etwa für den Banknoten-, Folien- oder Blechdruck, aber auch Einsparungen durch den Abbau von mehr als 2000 Beschäftigten.
Das neue Jahr ließ sich laut Bolza-Schünemann recht gut an: "Im ersten Quartal liegen wir über Plan." Die Kapazitätsauslastung schwanke je nach Sparte zwischen 70 und 130 Prozent. Weiteren Schwung erhofft er sich von der Drupa, auf der das Unternehmen erstmals eine eigene Digitaldruckmaschine vorstellt, die unter anderem Bücher in kleinen Auflagen drucken kann. KBA verfolgt damit im Digitaldruck eine andere Strategie als Heideldruck oder Manroland, die eine Vertriebskooperation mit Digitaldruckern vereinbart haben. "Wir sind Hersteller, kein Handelsunternehmen - und das soll auch so bleiben", grenzt sich der KBA-Chef ab. Die Investitionen in die Entwicklung der Maschine bezifferte er auf eine siebenstellige Summe.
Wie die Konkurrenten ist auch Bolza-Schünemann an der neuen Digitaldrucktechnologie auf Nanobasis des Branchenpioniers Benny Landa interessiert: "Das klingt reizvoll, aber wir werden es zunächst genau untersuchen." Landa hatte kurz nach Veröffentlichung seiner Erfindung bereits drei Lizenzverträge in der Tasche - mit Heideldruck, Manroland und der japanischen Komori.