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Merken   Drucken   03.09.2009, 09:37 Schriftgröße: AAA

Bonität: Thyssen kämpft gegen Ramschrating  

Dem Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp steht eine entscheidende Aufsichtsratssitzung bevor. Neben dem offiziellen Startschuss für den umstrittenen Konzernumbau gilt es, ein Abrutschen des Ratings auf Ramschniveau zu verhindern. von Kirsten Bialdiga  Düsseldorf
Noch im September will sich der Vorstand mit Vertretern der Ratingagenturen zu Gesprächen treffen, um eine Herabstufung der Bonität abzuwenden. "Das Ergebnis ist offen", sagte ThyssenKrupp -Finanzchef Alan Hippe  kürzlich. Analysten gehen davon aus, dass der Vorstand in diesen Gesprächen vor allem auf die Einsparungen durch den Konzernumbau abheben wird sowie auf die wieder anziehende Stahlkonjunktur. Ein ThyssenKrupp-Sprecher wollte dies nicht kommentieren.
Eine Herabstufung der Bonität auf Junkbondniveau würde den Konzern empfindlich treffen, da sich - neben dem Imageverlust - die Refinanzierungskonditionen deutlich verschlechtern würden. Erst im Juni hatte die Agentur Standard & Poor's (S&P) wegen der miserablen Stahlkonjunktur das langfristige Rating auf "BBB-" herabgestuft und damit gerade noch im Investmentgrade belassen. Ähnlich sieht es bei den Agenturen Fitch ("BBB-") und Moody's ("BAA3") aus. "In den nächsten Monaten könnte es zu einer weiteren Herabstufung kommen, wenn das Management die Schulden nicht deutlich senkt", hatte S&P damals angekündigt.
"Es wird eine knappe Entscheidung", sagte am Mittwoch etwa Unicredit-Analyst Christian Obst. Die Kosten des Konzernumbaus und die Finanzierung des Vorratsvermögens würden auch im kommenden Jahr den Cashflow belasten. Hinzu kämen weitere Belastungen durch das Hochlaufen der neuen Werke in Amerika und der Umzug in die neue Konzernzentrale nach Essen.
BHF-Bank-Analyst Hermann Reith setzt hingegen darauf, dass die besseren Perspektiven aufgrund der anziehenden Stahlkonjunktur die Ratingagenturen dazu bringen, ihre negative Einschätzung fallen zu lassen. Zudem sei der Vorstand beim Schuldenabbau schneller vorangekommen als erwartet, sagte Reith.
Tatsächlich werden die Nettofinanzschulden zum Ende des Geschäftsjahres nun bei 3,5 Mrd. bis 4 Mrd. Euro liegen und damit bis zu 1,5 Mrd. Euro niedriger als geplant. Ende Juni verfügte ThyssenKrupp über 8,8 Mrd. Euro an liquiden Mitteln. Durch den Konzernumbau und ein Sparprogramm will Vorstandschef Ekkehard Schulz die Kosten im laufenden Geschäftsjahr um mehr als 1,5 Mrd. Euro senken.
  • Aus der FTD vom 03.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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