Auf den neuen Chef des weltgrößten Druckmaschinenbauers Heidelberger Druck wartet ein verlustreiches Erbe. Georg Linzbach, der frühere Chef des Duft- und Aromenherstellers Symrise, übernimmt das Branchen-Flaggschiff im September mit tiefroten Zahlen. Im Frühjahrsquartal rutschten die Heidelberger noch tiefer als im Vorjahr in die Verlustzone. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht für das erste Viertel des Geschäftsjahres 2012/13 hervor.
An roten Zahlen wird auch unter neuer Führung zunächst kein Weg vorbeiführen: Erst für das kommende Geschäftsjahr macht sich der Maschinenbauer wieder Hoffnungen auf einen Überschuss. Dann hat das Unternehmen eine fünfjähriger Verlustphase und zwei Entlassungswellen hinter sich gebracht.
Heideldruck ist Weltmarktführer für Druckmaschinen zur Herstellung von Katalogen, Plakaten, Verpackungen und Geschäftspost. Seit 2008 schreibt der Maschinenbauer rote Zahlen. Grund ist die generelle Krise der Druckerbranche: Durch das Internet verlieren klassische Trägermedien an Bedeutung, so auch Druckerzeugnisse. Heidelberger Druck hatte durch Sparpakete und rigorosen Stellenabbau oder Kurzarbeit versucht, die Kosten zu senken. Rund 5000 Beschäftigte mussten das Unternehmen bereits verlassen.
In den Monaten April bis Juni schlug vor allem die teure Branchenmesse Drupa ins Kontor: Alle vier Jahre werden in Düsseldorf im Mai die neusten Produkte vorgestellt. Der Verlust nach Steuern kletterte binnen Jahresfrist von 46 auf 74 Mio. Euro. Der Grund: Die Druckereien zögerten vor der Branchenschau mit Neuanschaffungen. Der Umsatz gab im abgeschlossenen Vierteljahr um 4,4 Prozent auf 520 Mio. Euro nach. Mit Erlösen in dieser Höhe kann Heidelberger Druck die Kosten aber nicht decken. Der operative Verlust binnen Jahresfrist verdoppelte sich daher auf 58 Mio. Euro.
Auch für Kredite und eine Hochzinsanleihe musste der Maschinenbauer mit 19 Mio. Euro erneut viel Geld auf den Tisch legen. Zusätzlich schlug der Stellenabbau mit hohen Ausgaben zu Buche. Bis 2014 soll die Mitarbeiterzahl auf unter 14.000 schrumpfen. Durch den Abbau von Personal hofft Heideldruck auf eine geringere Kostenbasis ab knapp 2,4 Mrd. Euro. So sollen wieder Gewinne eingefahren werden.
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Das kostspielige Branchentreffen Drupa bescherte dem Konzern jedoch auch viele neue Aufträge: Der Ordereingang lag Ende Juni mit 890 Mio. Euro ein Drittel über dem des Vorjahres. Das ist der höchste Stand seit vier Jahren. Der binnen Jahresfrist um knapp 20 Prozent gestiegene Orderbestand werde in der zweiten Hälfte dieses Geschäftsjahres zu steigenden Umsätzen führen. Das stellte Finanzchef Dirk Kaliebe in Aussicht.
Von den Investoren fordert das Management damit weiterhin Langmut: Binnen Jahresfrist hat sich der Aktienkurs auf einen Euro halbiert. Der Börsenwert schrumpfte auf 245 Mio. Euro. 2007 notierten die Aktien noch beim 25-fachen Wert. Mit einem frischen Gesicht an der Spitze will der Aufsichtsrat das Ruder herumreißen. Am Ende dieses Jahres scheidet Vorstandschef Bernhard Schreier aus. Er arbeitete 37 Jahre für das Unternehmen und stand 13 Jahren an dessen Spitze. Seinem Nachfolger ab September soll Schreier bis dahin noch vier Monate beratend zur Seite stehen.
Für das noch bis März laufende Geschäftsjahr kündigte Finanzchef Kaliebe positive operative Gewinne ab der zweiten Hälfte an. Für schwarze Zahlen wird es am Ende der Finanzperiode jedoch nicht reichen - unter anderem werden weitere Kosten für Abfindungen anfallen. Die zuletzt auf 346 Mio. Euro gestiegene Nettoverschuldung werde bis dahin noch zunehmen. Der Finanzierungsrahmen sei mit 900 Mio. Euro aber "ausreichend", sagte Kaliebe.
Auf dem wichtigen Absatzmarkt USA gebe es Anzeichen für eine Erholung der Nachfrage. Für Unsicherheit sorgt auch bei Heideldruck die schwelende Euro-Krise. Bisher blieben die Kunden aber bei der Stange: "Bei unserem Auftragseingang hat sich die Schuldenkrise noch nicht bemerkbar gemacht", sagte der Vorstand. Die von der Vertrauenskrise ausgelöste Schwäche der europäischen Gemeinschaftswährung auf dem Devisenmarkt kommt Heideldruck als Exporteur jedoch gerade recht: Konkurrenten aus Japan wie Komori kämpfen auf den Weltmärkten mit einem starken Yen.