Die Insolvenz der angeschlagenen P+S-Werften in Mecklenburg-Vorpommern ist aus vielen Gründen ein großes Ärgernis: Da müssen jetzt 2000 Mitarbeiter um ihre berufliche Existenz bangen; da hängt die Zukunft zahlreicher Zulieferer wieder mal davon ab, wie es nun in den Werften in Stralsund und Wolgast weitergeht; und da haben viele Millionen Euro Steuergeld noch nicht einmal annähernd ausgereicht, um die Wende für P+S zu ermöglichen.
Doch das Hauptärgernis dieser neuerlichen Kapitulation eines deutschen Schiffbauers ist: Diese Entwicklung war abzusehen, sie kann niemanden überraschen. Auch nicht jene Landes- und Bundespolitiker, die sich nun öffentlichkeitswirksam zu den Werftarbeitern gesellen. Schon lange ist klar, dass P+S mit den von Land und Bund verbürgten Darlehen über 152 Mio. Euro nicht auskommen würde. Bereits als die Europäische Kommission die Rettungsbeihilfe vorübergehend genehmigte, war der geschätzte Kapitalbedarf von P+S fast doppelt so groß. Doch private Investoren konnten nicht motiviert werden, im benötigten Umfang miteinzusteigen.
So mancher Haushälter in Berlin und Schwerin mag jetzt sehr froh sein, dass er EU-Recht vorschützen kann, um weitere Beihilfeforderungen abzuwehren. Die Wahrheit aber ist: Wenn sich kein privater Investor finden lässt, ist das ein wichtiger Indikator gegen die Zukunftsfähigkeit der betroffenen Werften. Die haben leider ihre strukturellen Probleme viel zu lange ignoriert. Und gelegentliche kurze Boomphasen vor der Finanzkrise hatten zudem noch den Anpassungsdruck auf die Werften gemildert.
Jetzt aber lassen sich die altbekannten Rahmenbedingungen des Schiffbaus nicht länger ignorieren: Mit Standardschiffen können deutsche Werften auf dem Weltmarkt nicht mehr reüssieren - dagegen sprechen die Überkapazitäten aus Asien. Wer in dieser Situation auch noch, wie die P+S-Werften, zu lange zögert, die passenden Nischen zu identifizieren, findet bald keine mehr oder verzettelt sich bei der Suche. Wenn zusätzlich dann sogar noch wiederholt Lieferverzögerungen bei Schiffsneubauten das fragile Liquiditätsmanagement der Werften infrage stellen, mag man die Skepsis der Investoren gut verstehen. Hier funktioniert, so der Eindruck, den Investoren in den vergangenen Jahren gewinnen mussten, weder das Geschäftsmodell noch der tägliche Betrieb.
Tatsächlich könnte deshalb gerade die ärgerliche Insolvenz eine Chance für die P+S-Werften sein. Denn wie die Geschichte der früheren Wadan-Werften in Wismar und Rostock zeigt, bietet eine Insolvenz auch eine attraktive Einstiegsmöglichkeit für private Investoren. Letztere können im Zweifel besser identifizieren, was sich sanieren lässt. Und was nicht.