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20.01.2012, 09:00
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Brasilien-Desaster:
Unruhige Hauptversammlung für Gerhard Cromme
© Bild:
2010 reuters
Der ThyssenKrupp-Oberaufseher muss ein ungemütliches Aktionärstreffen fürchten. Helfen will er sich mit einer Ehrenerklärung für Ex-Vorstandschef Ekkehard Schulz. Pünktlich zur Hauptversammlung gibt es neue Spekulationen zum Brasilienprojekt.
von Kirsten Bialdiga
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Für
Gerhard Cromme könnte die Hauptversammlung von
ThyssenKrupp am Freitag ungemütlich werden. Könnte. Denn es gibt genug Themen, die den Aufsichtsratschef unter Druck setzen: Das Desaster beim Bau des Stahlwerks in Brasilien, den er über Jahre eng begleitet hat. Den daraus resultierenden Verlust von 1,8 Mrd. Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr. Und die öffentliche Demontage des langjährigen ThyssenKrupp-Chefs
Ekkehard Schulz , der vor Weihnachten - anders als sein oberster Kontrolleur - die politische Verantwortung für die Fehlplanungen in Brasilien übernahm. Das alles verursacht Unruhe im Konzern und unter den Aktionären.
Doch Cromme wird bestens präpariert sein. Groß sind dem Vernehmen nach die Anstrengungen in seinem Umfeld, die Hauptversammlung in Bochum exakt zu choreografieren. So will der Aufsichtsratschef nach FTD-Informationen gemäß derzeitiger Planung eine Art Ehrenerklärung für Schulz abgeben, auch um eine gute Atmosphäre zu schaffen. Dabei werde Cromme voraussichtlich erwähnen, dass Schulz ihm bereits Wochen vor der letzten Aufsichtsratssitzung seinen Rückzug aus dem Gremium selbst angeboten habe.
Tatsächlich sei die Initiative zum Verzicht auf sein Aufsichtsratsmandat ursprünglich von Schulz selbst gekommen, berichten Insider. Der 70-Jährige habe seinen Rücktritt Cromme angeboten, nachdem in der Presse schon damals wiederholt negative Berichte über Schulz' Rolle als ThyssenKrupp-Chef und die Probleme in Brasilien aufgetaucht waren. Um weiteren Imageschaden vom Konzern abzuwenden, habe Schulz schon damals die Verantwortung übernehmen wollen, hieß es.
Ex-ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz übernahm bereits die politische Verantwortung für das Brasilien-Desaster
Doch vergeblich. Cromme habe damals abgelehnt. Nur wenige Wochen später indes wurde Schulz dann umso öffentlichkeitswirksamer abserviert: Anfang Dezember ließ sich Berthold Beitz als Chef des Hauptaktionärs Krupp-Stiftung von der FAZ zitieren, er habe Schulz gebeten, seine Rolle zu überdenken, um die Pressekampagne zu beenden. Erst daraufhin legte Schulz seinen Posten als Kuratoriumsmitglied der Stiftung und sein Aufsichtsratsmandat nieder. So habe Cromme zusammen mit Beitz Handlungsstärke beweisen können.
Die Kontrolleure um Cromme schoben dann noch ein Gutachten nach, das klären sollte, ob nicht doch Schadensersatz vom früheren Vorstand wegen der Kostenexplosion in Brasilien zu fordern sei. Pünktlich zur Hauptversammlung liegt bereits das Ergebnis vor. Eine Verletzung der Sorgfaltspflichten ist demnach nicht gegeben. Gleiches gelte auch für den Aufsichtsrat. Auf dieses Resultat kann sich Cromme nun gut berufen, wenn Fragen von kritischen Aktionärsvertretern kommen.
Teil 2: Berichte über Brasilien
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FTD.de, 20.01.2012
© 2012 Financial Times Deutschland,
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