Die Macher hinter den News: Porträts von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft.
Immer diese Krux mit dem Namen. Dass aus dem Jungen Daniel noch vor der Geburt ein Daniell mit Doppel-l wurde, verdankt er einem Wachhund. Onkel Ferdinand Alexander hatte sich als Haustier eine Dogge angeschafft. Mit dem Namen Daniel. Da der Säugling nicht wie ein Vierbeiner heißen konnte, fiel die schlichte Version des Vornamens für die Eltern weg. Was anderes musste her - mit mehr Verve auf dem e. Dabei war der Nachname besonders genug. Porsche. "Wenn ich ein Grundstück für ein soziales Projekt kaufen wollte, verdoppelte sich sofort der Preis, weil ich mich mit 'Porsche' gemeldet hatte", so der heute 38-Jährige über sein Leben mit dem berühmten Namen.
Peter Daniell Porsche gehört zur vierten Generation des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche. Obwohl er jung ist, schrieb er eine Autobiografie, die am Montag erscheint. Für Wirbel sorgte er schon vor dem Start mit einem Interview im "Stern", wo er seinem Onkel Ferdinand Piëch Lust an der Macht attestierte. Piëch ist Chef des VW-Aufsichtsrats und eine der mächtigsten Branchengrößen. "Wenn ich etwas negativ sehe, dann ist es die Lust an der Macht des Ferdinand Piëch, der einen nach dem anderen aufkauft (...) nur, um das persönliche Gefühl zu befriedigen, jetzt habe ich das auch noch geschafft", sagte Daniell Porsche dem Magazin.
Der Waldorfpädagoge und Musiktherapeut ist nicht irgendjemand in der mehr als 80-köpfigen Gemeinschaft der Porsches und Piëchs. Die Großfamilien halten 90 Prozent der Stimmrechte an der Holding Porsche SE. Die Dachgesellschaft hat zwar das Sportwagengeschäft an VW verkauft, hält aber noch immer 51 Prozent der Stimmrechte an dem Wolfsburger Konzern. Und Peter Daniell Porsche gehört zu den Familienmitgliedern, die einmal besonders viel Einfluss haben werden. Der Aktienbesitz anderer Familienstränge könnte im Zuge der Erbfolge weiter zersplittern. Doch Daniell Porsche ist Einzelkind. Auf Anfrage lässt er bestätigen, dass er eines Tages zehn Prozent an Porsche SE halten wird - ungefähr so viel wie der große Ferdinand Piëch. Die Familien haben die Anteile immer streng geheim gehalten. Nie zuvor hat ein Mitglied Angaben darüber gemacht.
Doch Daniell Porsche sieht manches anders als die Verwandten. Das Buch trägt den Titel "Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen". Vorne drauf ist nicht etwa der Porsche-Klassiker 911 abgebildet, sondern eine Querflöte.
Selbst eingefleischte Autofans würden den Titel bestimmt unterschreiben. Bis auf Ferdinand Piëch. Wer ihn kennt weiß, dass Autos sehr wohl das Wichtigste in seinem Leben sind. Seine Memoiren, die vor zehn Jahren erschienen sind, heißen schlicht "Auto. Biographie".
Schon vor dem Buch von Daniell Porsche war klar, dass in der Erbengemeinschaft eine Kluft verläuft. "Den Familien Piëch und Porsche könnte man durchaus verschiedene Rollen innerhalb einer Familie zuordnen", schreibt er. "Mit anderen Worten: Da wäre der Porsche-Stamm mit der etwas weicheren und sozialen Einstellung - das durch das anthroposophische Denken (...) verstärkt wurde - und der Piëch-Stamm mit der etwas härteren, sehr wirtschaftlichen ausgerichteten Denkweise."
Die Familien sollen die Äußerungen in dem Buch nicht wohlwollend aufgenommen haben. Waren sie irritiert? "Da werden sicher ganz andere Worte benutzt", heißt es aus dem Unternehmen. Denn selten drang etwas nach außen, wenn sich der Clan traf. Daniell Porsche aber geht gleich im Vorwort darauf ein, als er seine Gedanken beim Schreiben zu Papier bringt. Er schildert seinen Tagesablauf. Ein Treffen der Großfamilien steht an. Die Stimmung dort beschreibt er, als sei sie dieses eine Mal ganz besonders: "Es geht friedlich zu."