Der Bunker ist kakigrün und ganz schön zugewuchert. An der Seite ist die Betonwand mit Einschusslöchern überzogen. "Der Wachturm wird noch fünf bis sechs Meter höher als jetzt", sagt Matthias Rüth. "Das hat dann so ein Alcatraz-Feeling." Rüth hat den Hochbunker aus dem Jahr 1942 im Frankfurter Stadtteil Fechenheim vor eineinhalb Jahren gekauft, aus einer Zwangsversteigerung, für gerade mal 160.000 Euro. Jetzt baut er das Gebäude zu einem riesigen Lager um.
Rüth ist Gründer und Chef von Tradium, einem kleinen Spezialhändler für seltene Erden und Industriemetalle in Frankfurt. Seine Firma zählt zu den Profiteuren von gleich zwei Trends: des Booms der seltenen Erden und der Finanzkrise.
Eigentlich hatte Rüth Tradium 1999 gegründet, um Industrieunternehmen wie Siemens oder Heraeus mit Rohstoffen wie Gallium, Indium, Neodym oder Europium zu versorgen, die sie in so winzigen Mengen brauchen, dass es sich nicht lohnt, eigene Einkäufer dafür zu beschäftigen. Es war ein gutes, stabiles Geschäft, jahrelang, erzählt Rüth. Doch vor gut zwei Jahren änderten sich die Rahmenbedingungen. Nachdem sich die Preise für seltene Erden und Industriemetalle über Jahre kaum verändert hatten, haben sie sich allein 2011 mehr als verzehnfacht, der Markt für seltene Erden ist so zwischen 2008 und 2011 von 2,4 auf 27 Mrd. Euro gewachsen.
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Die 17 Metalle, die zu den seltenen Erden gezählt werden, stecken in Handys, Elektromotoren und Windrädern, polieren Bildschirme und stärken Magnete. Sie sind zwar nicht selten. Weltweit gibt es aber nur wenige Minen, in denen sie wirtschaftlich gefördert werden können. China versorgt den Weltmarkt zu mehr als 95 Prozent, hat allerdings den Export seltener Erden beschränkt und so die Preise nach oben getrieben.
Ohne dass Rüth es so richtig geplant hatte, kam dadurch ein neues Geschäft auf ihn zu: Das Geschäft mit Privatanlegern. Der Seltene-Erden-Boom stand in allen Zeitungen, gleichzeitig mussten Banken gerettet werden, Aktien und Zertifikate verloren an Wert, und Gold wurde so teuer, dass Finanzberater von ihm abrieten. Stattdessen griffen die Anleger nun bei Dysprosium, Europium und Neodym zu - und das gibt es außer bei Tradium fast nirgends zu kaufen. "Manche Anleger gehen raus aus Gold und rein bei uns", sagt Rüth. "Die Investoren wollen alle etwas Greifbares, nicht nur irgendwelche Papiere. Ihr Vertrauen zu den Banken ist gesunken."
Das Problem: Die Anleger wollten keine Zertifikate, sie wollten die seltenen Erden und Industriemetalle physisch haben. Tradium muss sie irgendwo aufbewahren. Im Lager in einem Hinterhof in Frankfurt-Niederrad stapeln sich Pappkartons vom Gallium-Lieferanten Beijing Jiya und Holzkisten mit chinesischen Schriftzeichen und der Aufschrift "Germanium Ingot". Darüber im Regal lagern Indium-Barren. In Dutzenden Plastikflaschen schimmern weiße und hellblaue Pulver, seltene Erden wie Dysprosiumoxid. Ständig muss Tradium umgestapelt werden, es wird immer voller.
Darum musste der Bunker her. 800.000 bis 1 Mio. Euro investiert Rüth in seinen Ausbau. Spätestens Ende des Jahres soll er fertig werden. "Als ich hier das erste Mal war, habe ich gar nichts angefasst und wollte danach trotzdem erstmal dringend eine Dusche", sagt Rüth. Vor der Zwangsversteigerung war ein illegales Hotel für Wanderarbeiter hinter den zwei Meter dicken Mauern. 100 Container voller Dreck hat Tradium herausgeschaufelt, jetzt ist der Innenausbau fertig. Die Wände sind nun weiß, die Fußböden sauber. Meterlange Metallregale warten nur noch darauf, dass sich in ihnen die Rohstoffkisten stapeln.
Seit vergangenem Jahr sind die Preise wieder gefallen. Rüth hofft, dass Privatanleger dies als gute Chance zum Einstieg werten. "Es ist eine gewisse Bodenbildung erreicht. Langfristig müssen die Preise aber wieder steigen, schließlich sind alle Absatzprognosen riesig", sagt er. "Es gibt immer noch sehr, sehr viele Interessenten." Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr rund 40 Mio. Euro Umsatz schrieb und dabei vor Steuern auf eine Marge von gut zehn Prozent kam, soll wachsen.
Im Bunker sollen in Zukunft Rohstoffe mit einem Wert von bis zu 100 Mio. Euro lagern. Um das Grundstück baut Tradium eine zwei Meter hohe Mauer mit einem Meter Stacheldraht. Das Landeskriminalamt überwacht das Gelände per Kamera, binnen fünf Minuten wäre in Notfällen ein Einsatzkommando da. "Der Bunker hat eine Menge Vorteile", sagt Rüth. "Versicherungstechnisch gilt er als Riesentresor."