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  22.11.2009, 22:01    

Chemie-Fusion: Inder bieten Milliarden für Lyondell Basell

Der Mischkonzern Reliance Industries hat dem insolventen Petrochemieunternehmen ein Übernahmeangebot in Höhe von mindestens 10 Mrd. $ gemacht. Der Deal könnte Auftakt einer neuen indischen Einkaufstour sein. von Sebastian Bräuer, New York und James Fontanella-Khan, Mumbai
Der niederländische Chemiekonzern Lyondell Basell hat das Gebot am Samstag bestätigt, ohne den Preis offenzulegen. Es gelte für den Zeitpunkt, an dem Lyondell Basell das im Januar begonnene Insolvenzverfahren abschließe. Nach Informationen der Financial Times bietet Mukesh Ambani, Reliance-Chairman und reichster Mann Indiens, für einen Mehrheitsanteil an Lyondell Basell etwa 10 Mrd. $. Der Agentur Reuters zufolge könnten es sogar bis zu 12 Mrd. $ sein. Es wäre einer der größten Zukäufe eines indischen Unternehmens aller Zeiten - und indischen Medien zufolge der Beginn einer weltweiten Einkaufstour indischer Konzerne. "Der jetzige Deal würde als Katalysator für die indische Einkaufstour wirken", schreibt die landesweit erscheinende Zeitung "The Hindu".
Inder auf Einkaufstour
Durch die Fusion würde Reliance, bereits jetzt der größte indische Konzern, seine Präsenz in Europa und Nordamerika erheblich ausbauen und zu einem der weltgrößten Energie- und Chemiekonzerne aufsteigen. Lyondell Basell machte im Jahr vor der Insolvenz einen Umsatz von 50,7 Mrd. $, Reliance setzt jährlich mehr als 30 Mrd. $ um. Das niederländische Unternehmen beschäftigt über die Tochter Basell Polyolefine auch Tausende Mitarbeiter in Deutschland, davon etwa 2000 in Wesseling bei Köln.
Das Angebot zeigt, dass die indische Wirtschaft die Krise in rasantem Tempo hinter sich gelassen hat und sich mit neuem Selbstbewusstsein auf die globalen Märkte wagt. Anfang des Monats hatte Reliance erklärt, "interessante Möglichkeiten" im Ausland zu prüfen. Im September hatte sich das indische Unternehmen über die Ausgabe von Aktien frisches Kapital beschafft, was Analysten als Vorbereitung eines Zukaufs werteten.
Chance für einen Deutschen
Für Lyondell Basell könnte der Verkauf eine Alternative zum bisherigen Restrukturierungsplan darstellen. Dieser hätte den Einstieg mehrerer Investmentunternehmen zur Folge gehabt. Der Konzern war Ende 2007 durch die fremdfinanzierte, 12,7 Mrd. $ schwere Übernahme von Lyondell durch Basell entstanden. Nur 13 Monate später musste der drittgrößte Chemiekonzern Gläubigerschutz beantragen, nachdem die Nachfrage drastisch eingebrochen war. Zu diesem Zeitpunkt beliefen sich die Schulden auf mehr als 19,4 Mrd. $.
Sollte der Milliardendeal zustande kommen, könnte davon möglicherweise auch ein Deutscher profitieren: Im Mai war der Unternehmer Andreas Heeschen in die Holding Access eingestiegen, die den Lyondell-Basell-Konzern zu 100 Prozent besitzt. Der in London lebende Heeschen teilte sich die Lyondell-Basell-Anteile mit dem russischstämmigen US-Milliardär Len Blavatnik , der sie zuvor allein besessen hatte.
  • Aus der FTD vom 23.11.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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