11:34 Uhr Jetzt stellt sich Ursula Piëch, Kandidatin für den VW-Aufsichtsrat, den Aktionären vor. In einer kurzen Rede erklärt sie, dass sie sich seit Jahrzehnten mit der Autoindustrie beschäftigt. Wie ein Unternehmen funktioniere, wisse sie außerdem aus ihrer Zeit als Kindergärtnerin.
Frau Piëch lächelt während ihrer Worte an die Aktionäre. Sie will heute in den Aufsichtsrat gewählt werden, soll das Lebenswerk ihres 20 Jahre älteren Ehemannes beaufsichtigen. Ursula Piëch wirkt ein wenig nervös, aber dennoch souverän. Ihr Mann lächelte schon ein wenig in sich hinein, als er seine Frau ans Rednerpult bat. Als sie zu Ende gesprochen hat sagt er: "Danke, Ursula".
11:00 Uhr Plötzlich wird von der Decke über der Tribüne ein Protestplakat der Umweltorganisation Greenpeace heruntergelassen. Zwölf Umweltschützer stehen in den Sitzreihen des Zuschauerraums in einer Reihe mit einem Transparent. Darauf zu lesen "Problem". Piech fordert die Umweltschützer auf, zu gehen. Man habe für jeden einzelnen einen eigenen Saalräumer. Als die Greenpeace-Protestierer nicht gehen wollen, sagt Piëch in seinem langsamen Wienerisch: "Ich verstehe, dass sie vom langen Stehen ermüdet sind, bitte gehen sie". Inzwischen lässt VW das Plakat über der Tribüne entfernen.
Schließlich müssen auch die Umweltschützer gehen. Spontan spielt die Regie der Veranstaltung einen Film ein, in der das Unternehmen sein eigenes Umweltengagement lobt. Wildenten fliegen über den Bildschirm, es wird über verringerten Schadstoffausstoß geredet. Greenpeace sieht das anders: Die pro Jahr in Europa verkauften VW-Autos stießen während ihrer Lebenszeit mehr als 60 Millionen Tonnen CO2 aus - mehr als bei anderen Herstellern, rechnet Greenpeace in einem Flyer vor, der am Eingang der Veranstaltung an die Besucher verteil wurde.
10:46 Uhr VW-Chef Martin Winterkorn ist mit Seat sehr zufrieden. Die spanische Tochter, die seit langem schwächelt, hatte in jüngster Zeit ihre Verluste verringert. Unter anderem der Start des Leon in China habe dazu beigetragen, dass sich Seat derzeit neu erfinde, sagt Winterkorn auf dem Aktionärstreffen. "Und ich bin mir sicher: Dieses neue Seat wird zur echten Verstärkung im Konzern."
10:22 Uhr Im Umfeld der Veranstaltung kursiert schon die erste Anekdote über Piëch und seine Frau. Als der VW-Aufsichtsratschef im Foyer von Pressevertretern darauf angesprochen wird, ob seine Gattin denn fachlich geeignet wäre, Europas größten Autokonzern zu beaufsichtigen, entgegnet Piëch, sie werde das sogar besser machen als er selbst.
9:59 Uhr Das Treffen der VW-Aktionäre beginnt wie in einem Kinofilm. Über eine Riesenleinwand rollen die Fahrzeuge des VW-Konzerns. "240 Modelle" ist zu lesen. In schneller Folge flimmern Bilder aller Konzernmarken über die Leinwand. Zwölf werden es bald sein, das ist das Ziel von Piëch. Die Zahl der Modelle ist also nur einer der Superlative des Unternehmens, das sich hier in Hamburg inszeniert. Die Tribüne ist dunkel und wird nur ab und an durch Blitzlichtgewitter erhellt.
In Hamburg findet an diesem Donnerstag die Hauptversammlung von VW statt - einen Tag, nachdem das Unternehmen unter anderem den Bau einer neuen Fabrik in China und den Kauf der italienischen Motorradmarke Ducati beschlossen hatte. Und zwei Tage nach dem 75. Geburtstag von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch.
Piëch will sich auf der Hauptversammlung für eine dritte Amtszeit in den Aufsichtsrat wählen lassen. Wenn seine Ehefrau Ursula ebenfalls wie geplant in das Kontrollgremium einzieht, stellen die Familien Porsche und Piech fünf der zehn Vertreter auf der Kapitalseite. Das Gremium wird daher von Aktionärsvertretern als zu wenig unabhängig kritisiert.