Meg Whitman versucht sich im Erwartungsmanagement. Nach einem Milliardenverlust im dritten Geschäftquartal hatte die HP-Chefin die Ergebnisprognose zurückgefahren und rang um Erklärungen: "Es liegt noch einiges an Arbeit vor uns", sagte sie während einer Telefonkonferenz mit Analysten mehrfach, und: "Unser Fortschritt wird nicht geradlinig sein."
Der Computerhersteller leidet wie der kleinere US-Konkurrent Dell unter der Konjunkturkrise. Die Tablets schmälern den PC-Absatz, hinzu kommt, dass vor allem Privatnutzer den Kauf eines neuen Rechners bis nach der Einführung von Windows 8 im Herbst hinauszögern. Auch kommt immer stärkere Konkurrenz von asiatischen Wettbewerbern wie Lenovo , der HP als größten PC-Hersteller weltweit zu verdrängen droht.
HP hatte nach dem Flop des Touchpad kein weiteres Tablet auf den Markt gebracht. Firmenchefin Meg Whitman kündigte in einem Interview nun jedoch einen Flachrechner mit Windows 8 für professionelle Nutzer an - erste Bilder kursieren bereits im Internet. Den Wettbewerb zu Apple hat Whitman indes aufgegeben. "Machen sie da keinen Fehler. Der Privatkundenmarkt ist heute ein Apple-Markt", sagte sie. Das HP-Tablet sei mit besonderen Sicherheitsfeatures für die Ansprüche im Geschäftsumfeld gedacht und solle noch dieses Jahr auf den Markt. Doch die strukturellen Probleme des derzeit noch größten PC-Herstellers sind damit nicht gelöst. Genau wie der US-Konkurrent steckt HP derzeit mitten in einem tiefen Umbau, der noch Jahre in Anspruch nehmen könnte.
"HP steckt noch immer ganz am Anfang einer Wende, die Jahre dauern wird", sagte Konzernchefin Meg Whitman am Mittwoch. Das Unternehmen leidet darunter, dass immer mehr Kunden zu einem Tablet-Computer oder ihrem Smartphone greifen und sich den Kauf eines neuen PC sparen. Erschwerend hinzu kamen in der jüngeren Vergangenheit Querelen und konfuse Entscheidungen im Management.
Seit einem knappen Jahr steht nun die frühere Ebay-Chefin Whitman an der Spitze und versucht aufzuräumen. 27.000 Mitarbeiter sollen im Zuge des Konzernumbaus entlassen werden. Das ist mehr als jeder zwölfte Beschäftigte. 4000 Mitarbeiter sind schon weg, bis zum Ende des Geschäftsjahres im Oktober sollen es 11.500 werden. Der Abbau gehe schneller voran als gedacht, sagte Whitman, und begründete dies unter anderem damit, dass mehr Mitarbeiter als gedacht das Frühruhestands-Angebot angenommen hätten.
Im dritten Geschäftsquartal verlor der Konzern unterm Strich 8,9 Mrd. Dollar . Im Vorjahreszeitraum hatte HP noch 1,9 Mrd. Dollar Gewinn erwirtschaftet. Die Firma hatte den Verlust bereits angekündigt. Der Umsatz fiel zuletzt um 5 Prozent auf 29,7 Mrd. Dollar. Einzig das Software-Geschäft konnte zulegen. HP verkaufte 6 Prozent weniger Tischrechner, 12 Prozent weniger Notebooks und 23 Prozent weniger Drucker. Besonders die Privatkunden hielten sich merklich zurück - wohl auch, weil das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 erst im Herbst auf den Markt kommt. Aber auch das Geschäft mit großen Firmenrechnern und Speichersystemen sowie mit Dienstleistungen schrumpfte. Einziger Lichtblick war die Software mit einem Wachstum von 18 Prozent.
Vor allem schlug die bereits angekündigte Abschreibung auf den IT-Dienstleister EDS negativ zu Buche, den HP im Jahr 2008 für 13,9 Mrd. Dollar übernommen hatte - der Kauf brachte offenbar nicht das gewünschte Ergebnis. Insgesamt musste der Computerhersteller im Quartal Belastungen über 10,8 Mrd. Dollar verkraften.
Tags zuvor hatte bereits Dell mit enttäuschenden Zahlen für Aufmerksamkeit gesorgt. Der Umsatz fiel laut Quartalsbericht um acht Prozent auf 14,5 Mrd. Dollar. Der Gewinn sank von 18 Prozent auf 732 Mio. Dollar.
Weltweit steht HP nach Daten der Marktforschungsfirma Gartner nur noch knapp an der Spitze der PC-Hersteller, dicht gefolgt vom chinesischen Aufsteiger Lenovo. In Deutschland hat der US-Konzern die Führungsposition bereits verloren und ist hinter Acer und Lenovo zurückgefallen. Angesichts der schweren Lage nahm das Management die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zurück. "Das konjunkturelle Umfeld ist schlechter als wir dachten", sagte Finanzchefin Cathie Lesjak. Unterm Strich wird ein Verlust stehen. Nachdem die Aktie nachbörslich erst gestiegen war, fiel sie später um 3 Prozent.
DPA; FTD