Bei Volkswagen gibt es gravierende Sicherheitslücken im konzerneigenen Computersystem. Nach FTD-Informationen hat eine interne Untersuchung von Experten der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers offengelegt, dass Europas größter Autohersteller nur schlecht gegen mögliche Hackerangriffe abgesichert ist - und sensible Firmengeheimnisse zu leicht abgefischt werden können.
"VW ist bereits dabei, diese Löcher zu stopfen", sagte ein Insider. Der Autobauer wolle in den kommenden Jahren einen dreistelligen Millionenbetrag in eine besser geschützte Informationstechnologie investieren, hieß es. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch habe die IT-Sicherheit zur Chefsache erklärt. Bislang soll es indes noch keinen Übergriff auf das Datensystem der Wolfsburger gegeben haben.
Die groß angelegte Hackerattacke auf den japanischen Elektronikhersteller Sony im April hatte gezeigt, wie angreifbar große Konzerne durch die zunehmende Vernetzung mit dem Internet geworden sind. Weltweit werden Unternehmen immer häufiger Opfer von gezielten Attacken, die oftmals auch Wirtschaftsspionage vermuten lassen. Teilweise verwenden Hacker mehrere Monate darauf, Sicherheitslücken auszuspähen.
Volkswagen weiß offenbar schon länger von den Schwachstellen im eigenen System. Seit PricewaterhouseCoopers Anfang des Jahres die Ergebnisse der Untersuchung vorgestellt hat, ist das Ausmaß der Probleme auch einem größeren Kreis von Managern bekannt. Vorstand und Aufsichtsrat wurden darüber informiert, wie groß die Gefahr eines Hackerangriffs ist.
Inzwischen muss deswegen Volkswagens IT-Chef Klaus Hardy Mühleck um seinen Job bangen. Ihm wird vorgeworfen, zu spät auf die dramatischen Erkenntnisse reagiert zu haben. Mühleck gehört zu den wichtigsten IT-Managern in Deutschland. In Wolfsburg hat er den Rang eines Generalbevollmächtigten und berichtet direkt an VW-Chef Martin Winterkorn.
Ein Angriff auf das IT-System des Konzerns könnte schwerwiegende Folgen haben. Die Computer von Volkswagen sind nicht nur zwischen den einzelnen Konzernmarken wie Audi, Seat oder Skoda vernetzt, sondern auch zwischen den insgesamt 22 Ländern, in denen das Unternehmen produziert.
Hacker könnten beispielsweise dafür sorgen, dass wichtige Bauteile am Band fehlen - und so die ganze Fertigung gefährden. Noch größer könnte der Schaden sein, wenn Kriminelle Betriebsgeheimnisse wie technische Details künftiger Modelle stehlen.
Insider sprachen von einem Investitionsstau beim Computersystem von Volkswagen. Veraltete Technik und nicht ausreichend gesicherte Programme seien ein häufiges Problem in deutschen Unternehmen, sagte Timo Kob, Vorstand der IT-Sicherheitsberatung Hisolutions.
Ein VW-Sprecher wollte sich am Mittwoch zu Einzelheiten nicht äußern. Generell arbeite der Konzern mit IT-Standards, die "in einem laufenden Prozess ständig auf den höchsten Stand gebracht werden".
VW-Patriarch Piëch gilt als sehr sicherheitsbewusst. Der ehemalige Chefermittler im Reemtsma-Entführungsfall, Dieter Langendörfer, lange Sicherheitschef des Konzerns, wurde anschließend sein Leibwächter.