Der Dieselmotor 20V 4000 von MTU
DaimlerChrysler wirft den Familiengesellschaftern Zeppelin und Maybach den Bruch einer Vereinbarung vor, wie aus einem der Agentur Reuters vorliegenden Schreiben der MTU-Führung an ihre Mitarbeiter vom Montag hervorgeht. Die beiden Familien, die rund zwölf Prozent der MTU-Anteile halten und Vetorechte haben, hätten eine acht Monate währende Exklusiv-Vereinbarung mit dem Finanzinvestor Carlyle unterzeichnet, obwohl die Zulassung von mindestens zwei Bietern zum Verkaufsprozess vereinbart gewesen sei.
"DCAG (die DaimlerChrysler AG) konnte diese Vorgehensweise nicht akzeptieren und hat daraufhin den bisherigen Veräußerungsprozess heute gestoppt", hieß es in dem Schreiben. Damit erhält kein Bieter Zugang zu den Unternehmensdaten von MTU Friedrichshafen.
Autokonzern hält an Verkauf fest
Die Prüfung der Daten sollte eigentlich am Montag beginnen. Wie sich DaimlerChrysler nun weiter verhalten wird, blieb offen. Stellungnahmen von DaimlerChrysler, MTU Friedrichshafen und Carlyle waren am Montag nicht zu erhalten.
In dem von der MTU-Geschäftsführung gezeichneten Schreiben heißt es: "Unser oberstes gemeinsames Ziel ist es weiterhin, eine langfristige und zukunftsorientierte Lösung für unser Unternehmen zu erreichen." Eine mit dem Verkaufsprozess vertraute Person sagte, es sei davon auszugehen, dass DaimlerChrysler am Verkauf von MTU grundsätzlich festhalte.
Die Familien Zeppelin und Maybach haben mit ihrem Vetorecht großen Einfluss bei einem Verkauf des Friedrichshafener Konzerns. Wie aus dem MTU-Schreiben hervorgeht, war vereinbart worden, dass die Familiengesellschafter aus Wettbewerbsgründen mindestens zwei Interessenten zulassen müssten.
MAN als Interessent ausgestiegen
DaimlerChrysler hatte seinen Anteil an dem Hersteller von Dieselmotoren für Bahnen, Schiffe, Baumaschinen und Panzer zunächst an einen strategischen Investor verkaufen wollen, um die Eigenständigkeit des Unternehmens zu sichern. Finanzinvestoren war deshalb zunächst keine Chancen auf einen Zuschlag eingeräumt worden. Als Favorit hatte der Münchener
MAN -Konzern gegolten, der sich wegen Differenzen über den Preis aber aus dem Verkaufsprozess zurückzog. MAN hatte die Entscheidung schon damals auch mit Uneinigkeit unter den MTU-Minderheitseignern begründet.
Das Traditionsunternehmen MTU, dessen Wurzeln bis zum Anfang des vergangenen Jahrhunderts zurückreichen, setzte zuletzt etwa 1,3 Mrd. Euro um. Eine ähnliche Summe war zuletzt auch als ungefährer Verkaufspreis genannt worden. Auch dem Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR) war Interesse nachgesagt worden.