"Wer mich kennt, weiß, dass ich die ... Produkte von Wrigley's liebe." Das muss in der Tat der Hauptgrund dafür sein, warum
Warren Buffett die Übernahme des US-Kaugummiherstellers durch die Privatfirma Mars mitfinanziert. Denn freundlicherweise liefert
Wrigley in der Presseerklärung zu der Transaktion gleich noch ein paar Bewertungskennziffern mit: Demnach entspricht der Akquisitionspreis von 23 Mrd. $ dem 4,3-fachen Umsatz und dem 35-fachen Gewinn von 2007. Nur den Aktienteil der Transaktion berücksichtigt, korrespondiert dies zusätzlich mit dem rund 22-fachen der operativen Mittelzuflüsse von 2007 und dem Achtfachen des Eigenkapitals zum Ende des ersten Quartals, über dessen Verlauf ebenfalls am Montag berichtet worden ist.
Auf den ersten Blick hören sich die Zahlen fantastisch an. Der Umsatz hat um 16 Prozent zugelegt, der "bereinigte" Gewinn je Aktie sogar um 22 Prozent. Das Dumme ist nur, dass allein die Hälfte des Umsatzzuwachses aus Währungseffekten rührt. Der Absatz indessen hat gerade einmal um ein Prozent zugelegt, der Rest des Umsatzzuwachses stammt aus Veränderungen des Verkaufspreises und der Absatzstruktur. Überflüssig zu erwähnen, dass Asien brummt; hier hat der Absatz um ersten Quartal um 13 Prozent zugenommen. Indessen ist das eine weitere Verlangsamung gegenüber den Jahren 2007 und 2006, in denen der Absatz um 15 und 21 Prozent zugenommen hat. In der Region Europa/Mittlerer Osten/Afrika/Indien, die 2007 für 49 Prozent des Umsatzes stand, kämpft die Firma derweil weiter mit zunehmendem Wettbewerb, besonders durch Cadbury. Der dortige Absatzzuwachs von vier Prozent war vielleicht etwas besser als von manchen befürchtet, markiert aber ebenfalls einen Abschwung. In Nordamerika, wo der Absatz im Jahr 2007 um sieben Prozent gefallen war und etwa die Deutsche Bank nunmehr zumindest auf eine Stagnation gehofft hat, ist das Verkaufsvolumen im ersten Quartal unterdessen um zehn Prozent eingebrochen.
Natürlich will Wrigley mit "Produktinnovationen" kontern. Und es stimmt vielleicht auch, dass die Wareneinsatzkosten im Kaugummigeschäft vergleichsweise milde steigen, während die Preiselastizität der Nachfrage eher gering ist. Zudem dürfte die Preismacht im Sektor schon wegen der weiteren Konzentration zunehmen, wobei auch im Vertrieb noch der eine oder andere Vorteil winkt.
Aber mal ehrlich: Was ist die Fantasie? Dass ein Kaugummi dereinst 5 Euro das Stück kostet? Oder dass die Firma ihren globalen Kaugummimarktanteil, den die Deutsche Bank auf 50 Prozent beziffert, noch ausbauen kann? Oder dass der Dollar weiter um neun Prozent abwertet? Oder dass die Firma die höchsten Margen im Sektor ewig erhöht? Nur dann ließe sich das Wort Kaugummiblase vermeiden. Wenn Buffett in den USA nichts Attraktiveres mehr findet, dann guten Appetit.