Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin intensiviert die Suche nach einem neuen Vorstandschef. Nach Informationen der FTD soll schon binnen den nächsten sechs Monaten ein Nachfolger für Hartmut Mehdorn benannt werden. Es könne sogar noch schneller gehen, verlautete aus dem Kontrollgremium. Mehdorn hält zwar bei Air Berlin die Fäden fest in der Hand. Er hatte aber angekündigt, im Verlauf des nächsten Jahres abzutreten.
Entscheidend wird sein, wie zügig sich der Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Hans-Joachim Körber auf einen Kandidaten einigen kann. Der Chefposten bei der hochdefizitären Fluglinie gilt innerhalb der Luftverkehrsbranche als besonders schwierig. Der Konzern leidet nicht nur unter branchentypischen Problemen wie den hohen Kerosinpreisen und den Belastungen durch die Luftverkehrsteuer. Air Berlin war unter dem Gründer Joachim Hunold zu einem schwer überschaubaren Konglomerat aus Linien- und Ferienfluggeschäft gewuchert. Bis heute mangelt es an straffen Konzernstrukturen und einer klaren Ausrichtung. Unter Mehdorn kam die Airline bisher kaum bei der Sanierung voran.
Der Aufsichtsrat verfügt über eine Favoritenliste mit externen Kandidaten und wird von der Personalberatung Egon Zehnder unterstützt. Geeignete und in Branchenkreisen immer mal wieder genannte Manager wie der Vorstandsvorsitzende der irischen Fluglinie Aer Lingus , Christoph Müller, der Chef des Ferienfliegers Condor, Ralf Teckentrup, oder der Ex-Lufthansa -Manager und heutige Emirates-Vertriebschef Thierry Antinori finden sich dem Vernehmen nach nicht auf der Liste. Gesucht wird gleichwohl ein durchsetzungsstarker Luftverkehrsmanager, der das Vertrauen des Air-Berlin-Großaktionärs Etihad Airways findet. Etihad-Chef James Hogan, der seit Frühjahr im Aufsichtsrat der deutschen Airline sitzt, hatte Air Berlin mit einer Kapitalaufstockung und einem Darlehen in Höhe von 270 Mio. Euro gerettet.
Hogan kann über die Personalie des neuen Air-Berlin-Chefs erstmals maßgeblichen Einfluss auf die Neuausrichtung des deutschen Partners ausüben. Etihad wolle seine Beteiligung besser steuern, hieß es in Aufsichtsratskreisen. Das birgt Konfliktstoff: Nicht alle Kontrolleure sind mit dem großen Einfluss der Golf-Airline auf Air Berlin einverstanden.
Weitgehende Einigkeit herrscht jedoch darüber, dass dem 70-jährigen Mehdorn eine geregelte Amtsübergabe zugestanden wird. Dies könnte auch bedeuten, dass der ehemalige Bahn-Chef noch ein, zwei Monate neben seinem Nachfolger arbeiten wird, um diesen einweisen zu können. Mehdorn selbst hatte stets betont, dass er sich bei der Fluggesellschaft als Interimschef versteht.