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Merken   Drucken   17.11.2008, 07:00 Schriftgröße: AAA

Der Conti-Deal (Teil 1): Der Putschversuch

Es ist der Deal des Jahres: Die Attacke von Schaeffler auf den Dax-Konzern Continental. Doch was als Lehrstück für Fusionsstrategen begann, entwickelt sich für das Familienunternehmen zu einer gefährlichen Operation. In einer vierteiligen Serie zeichnet die FTD nach, wie es dazu kommen konnte. von Kristina Spiller, Angela Maier und Sven Clausen
Hubertus von Grünberg  hat sich nur aus einem Grund im Luisenhof eingemietet. Er will siegen. Und welcher Ort eignet sich besser, um einen großen Coup ungestört zu planen, als das intime Hannoveraner Edelhotel mit seinen tiefen Teppichen, diskreten Ruhezonen und kleinen Gesprächsräumen?
Für den Aufsichtsratschef von Continental  steht einiges auf dem Spiel an diesem 12. August. Die feindliche Übernahme des Automobilzulieferers durch das deutlich kleinere Familienunternehmen Schaeffler aus Herzogenaurach steckt in der Sackgasse.
Das größte Husarenstück der jüngeren deutschen Wirtschaftsgeschichte - überraschender und umstrittener noch als Porsches  Einstieg bei VW  - droht zu scheitern.
Und das, so paradox es klingt, passt von Grünberg gar nicht. Er ist für die Angreifer aus Franken, weil er in Schaeffler einen stabilen Aktionär sieht. "Wie die Quandts bei BMW", hat er seinen Aufsichtsräten in den vergangenen Wochen immer wieder eingeschärft. Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer  aber wehrt sich mit Händen und Füßen. Er hält weder Preis noch Stil der Übernahme für angemessen.
Bilderserie Bilderserie: Die Drahtzieher des Conti-Deals
An diesem Abend berichtet Wennemer beim Dinner über den Stand der Gespräche. Das gesamte übrige Präsidium des Aufsichtsrats hört gespannt zu: Werner Bischoff, sein Stellvertreter und Vorstand der Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie; Diethart Breipohl, der Ex-Finanzchef der Allianz , und Michael Iglhaut, der Vizechef des Konzernbetriebsrats.
Die Herren speisen gemeinsam, dann verlässt Wennemer die Runde. Kaum ist der Vorstandschef weg, legt von Grünberg los: Seit rund drei Wochen habe Wennemer den Auftrag, mit Jürgen Geissinger , dem willensstarken Schaeffler-Chef, zu verhandeln. Schließlich hätten die Angreifer schon 36 Prozent der Aktien unter ihrer Kontrolle.
Doch seit einigen Tagen würde der Briefwechsel deutlich giftiger, berichtet der 66-jährige Aufsichtsratschef. Es gehe nicht voran. "Schaeffler beschwert sich schon. Wir müssen was tun", hämmert er der Runde ein. Andernfalls sei Conti in großer Gefahr: Schaeffler könnte die Verhandlungen abbrechen, der Aktienkurs ins Bodenlose stürzen, der Konzern zum Zerschlagungsobjekt werden.

Teil 2: Wie Wennemer entmachtet wurde

  • Aus der FTD vom 17.11.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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