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Merken   Drucken   02.08.2012, 20:20 Schriftgröße: AAA

Deutsche Wirtschaft: DAX-Konzerne wittern die Gefahr

Egal, ob unter dem Strich ein Plus oder Minus steht: Die Schwergewichte der deutschen Industrie warnen vor wachsenden Risiken für die Wirtschaft. Einige hat es bereits erwischt.
von Margret Hucko, , Hamburg, Frankfurt und München

Die Schwergewichte der deutschen Wirtschaft stellen sich auf schwierigere Zeiten ein. Nach Ende des ersten Halbjahrs sind die Aussichten der DAX-Konzerne - von BMW  bis Lufthansa  - nur verhalten optimistisch. "Der Druck wird in diesem Jahr eher noch zunehmen", sagte etwa Olaf Koch, Chef des Handelskonzerns Metro , in dieser Woche. Negative Beispiele gibt es schon: Sowohl Metro als auch der Lkw-Bauer MAN  machten im zweiten Quartal Verlust.

Kennzahlen von 21 DAX-Unternehmen   Kennzahlen von 21 DAX-Unternehmen

Die größten Gefahren für die Wirtschaft gehen von der Schuldenkrise in Europa aus. Hohe Arbeitslosenzahlen schmälern die Konsumlaune. Hart trifft der Nachfragerückgang Länder wie Griechenland, Italien, Spanien oder Portugal. Hinzu kommen ein schwächeres Wachstum in den USA und eine abgekühlte Konjunktur auf dem Boom-Markt China. "Das zweite Quartal war ganz eindeutig geprägt von einer Verschlechterung des Konsumklimas in etlichen Ländern", sagte Koch.

Je nach Abhängigkeit von den schwächelnden Märkten fallen auch die Ergebnisse der DAX-Konzerne aus. Ein einheitliches Bild ergibt sich nicht. Während Unternehmen wie der Chemiekonzern Bayer die Prognose erhöhen, halten die Autobauer BMW und VW  an ihren Ausblicken fest. Doch gerade die enttäuschenden Zahlen von Unternehmen wie Siemens, Infineon oder MAN gelten als alarmierend. Sie zählen zu den Frühindikatoren für die gesamte Wirtschaft. So rechnet Europas zweitgrößter Halbleiterhersteller Infineon auf absehbare Zeit mit einem stagnierenden Geschäft und fährt vorsichtshalber seine Investitionen zurück. Infineon  produziert Chips, die nahezu überall eingebaut werden - in Autos, Mobiltelefone und Maschinen. Auch Siemens erschreckte vor einer Woche mit einem Bestellrückgang im dritten Geschäftsquartal um ein Viertel, der aber nicht nur konjunkturelle Gründe hat. Analysten zufolge verliert Siemens auch Marktanteile an Wettbewerber.

Ein ähnliches Bild ergibt sich bei MAN: Dort schrumpften im zweiten Quartal die Bestellungen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zehn Prozent auf 4 Mrd. Euro. Der Konzern musste die Prognose für das Gesamtjahr nach unten korrigieren und erwartet statt 8,5 Prozent eine operative Marge von nur noch sechs Prozent. Die neue Gewinnprognose stellt er zudem unter Vorbehalt: Es werde "vorausgesetzt, dass sich die gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern". Durch hohe Abschreibungen von 190 Mio. Euro auf die Beteiligung am chinesischen Lkw-Hersteller Sinotruk rutschte MAN in die Verlustzone.

In der Chemieindustrie zeigten sich die Anbieter besonders von der Abschwächung des Wachstums in Asien überrascht. Bisher hat gerade China die branchenübergreifende Schwäche in Europa kompensiert. Beim Weltmarktführer BASF  sank der Umsatz in Asien in der jeweiligen Landeswährung um ein Prozent. Die Abschwächung habe BASF überrascht, sagte Vorstandschef Kurt Bock. "Derzeit ist nicht absehbar, wie schnell das Geschäft in Asien wieder an Fahrt gewinnen wird." Am wichtigen Standort Nanjing, den BASF in China mit Sinopec betreibt, schrumpften die Erträge. Auch umgekehrt schmerze die nachlassende Konjunktur, so Andrew Liveris, Chef des weltweit zweitgrößten Chemiekonzerns Dow Chemical  aus den USA. Exportierende Betriebe in China litten ebenfalls unter der Nachfrageschwäche in Europa.

  • Aus der FTD vom 03.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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