Eines ist sicher: Wenn die Deutschen Donnerstagabend gegen Portugal antreten, ist zumindest das Gras frisch. Nachdem die Wasserschlacht beim Schweiz-Türkei-Spiel den Rasen ruiniert hatte, ließ die Uefa im Basler St.-Jakob-Stadion kurzerhand neuen Rasen verlegen.
Vom Baseler Rasen profitieren nicht nur die Fußballer, sondern auch der Schweizer Agrarkonzern
Syngenta . Denn Syngenta produziert den Wachstumsregulator Primo Maxx. Der macht das Gras grüner - ein Plus für die Zuschauer vor den Fernsehern. Außerdem verstärkt er die Wurzeln und Halme, was den Rasen resistenter macht. "Der Ball rollt besser", sagt eine Syngenta-Sprecherin.
Deshalb bezweifelt der Konzern auch, dass der Basler Matschrasen, der jetzt herausgerissen wurde, mit dem Mittel bearbeitet war. "Da der Rasen im St.-Jakob-Stadion erst kürzlich ausgerollt wurde, war er wahrscheinlich noch nicht mit Primo Maxx behandelt", so die Sprecherin.
Das Sportamt Basel benutzt Primo Maxx seit 2005 auf allen 30 Sportplätzen der Stadt. Damit reduzieren sich die Unterhaltskosten um jährlich 100.000 Schweizer Franken pro Platz. Der Grund: Das Mittel lässt das Gras nur halb so schnell wachsen. Dadurch muss viel weniger gemäht werden, was den Unterhalt der Mähmaschinen und den Dieselverbrauch reduziert.
Das Geschäft mit dem Rasen ist aber eher klein. Der größte Umsatzbringer von Primo Maxx ist der Golfsport, und das vor allem in Ländern wie Russland, Dubai und Indien. In Europa gibt es die Chemikalie nur vereinzelt, etwa in Großbritannien, Italien oder der Schweiz. In Deutschland und Österreich steckt Primo Maxx noch in der Zulassung. Syngenta schweigt über den Umsatz des Wundermittels.
Für den Herbizidgebrauch hat die Uefa keine Richtlinien. Der Rasen muss aber einige Bedingungen erfüllen, um sich zu qualifizieren: Exakt 23 Millimeter lang müssen die Grashalme beim Matchanpfiff sein, sieben Millimeter kürzer als bei anderen Spielen. Kunstrasen ist verboten, weshalb das Berner Stadion auf seinem Kunstrasen eigens für die EM echtes Gras verlegen musste.
"Wenn man drüberläuft, sollen die Spieler ein Wohlgefühl empfinden. Dass der Rasen dabei (...) dicht gewachsen und schön anzusehen sein soll, versteht sich von selbst", so Georg Nafzger, der Rasenchef im Zürcher Hausstadion Letzigrund. Sein Rollrasen ist eine Mischung aus Wiesenrispe und Englischem Raigras, gemischt mit zwei bis drei Untersorten.
Laut Uefa darf bis 90 Minuten vor Anpfiff noch einmal gewässert werden. Dank Primo Maxx sollte der Ball dann heute mit Leichtigkeit ins - hoffentlich richtige - Tor rollen.