Der schwarze Fernseher in der Ecke schweigt. Fußball gucken können die Gäste nicht bei Julius Meinl in der Europa Passage, einem Hamburger Einkaufszentrum. Schließlich macht das Kaffeehaus schon um 20 Uhr zu - zu früh für alle Spiele nach der ersten EM-Woche. Dabei hatte das Wiener Unternehmen im EM-Vorfeld noch "den perfekten Treffpunkt mit authentischem Charme für Fußballfans" versprochen.
Julius Meinl klotzt auf der Wiener Fanmeile mit einem großen Kaffeehaus, in Hamburg wird gekleckert: Immerhin eine EM-Sonderaktion gibt es. "Da geht es nicht um richtige Fußballstimmung, sondern eher um den Gastgebergedanken", sagt Deutschland-Chef Alexander Kerz. "Schließlich ist das hier fast territoriales Gebiet von Österreich." Das EM-Menü: Frittatensuppe, Wiener Schnitzel mit Erdapfelsalat, Marillenknödel mit brauner Butter. Wer das verdaut, kann bei Toren sowieso nicht richtig jubeln. Die 18-Uhr-Spiele in der Vorrunde wurden aber gezeigt.
Das Café in Hamburg mit roten Ledersesseln und Loungemusik hat mit Fußball nicht viel gemein. Auch besonders wienerisch kommt es nicht daher. Es ist zu modern. Dabei ist Meinl eine Traditionsmarke: Die Kaffeedynastie gibt es seit 140 Jahren. Noch heute nennt die Familie jeden erstgeborene Sohn Julius, gerade führt Julius Meinl der Fünfte. Die Hamburger Filiale soll die Marke in Deutschland eigentlich bekannter machen.
Meinls Kerngeschäft ist das Beliefern von Gastronomen und Einzelhändlern mit Kaffee. Das Familienunternehmen expandiert weltweit, gerade baut Meinl den Vertrieb im Nahen Osten und in Asien auf. Jahresumsatz der Holding 2007: 120 Mio. Euro.
Die Außenstelle in Hamburg läuft nicht so gut, gerade im Sommer bleiben die Kunden fern. Das wird wohl auch die EM-Aktion nicht ändern. Kicken und Kaffeehaus-Flair passen einfach nicht zusammen.