Eine Maut-Kontrolle bei Dülmen
Der Mautbetreiber, hinter dem
DaimlerChrysler ,
Deutsche Telekom und Cofiroute stehen, hatte Anfang 2005 auf Grund erheblicher technischer Schwierigkeiten zunächst nur eine technisch abgespeckte Version des Systems eingeführt. Auch deshalb hat Toll Collect bisher keine weiteren Käufer gefunden. Bei Ausschreibungen, etwa in Tschechien, kam der deutsche Anbieter nicht zum Zug. Stattdessen geben Konkurrenten wie Italiens Autostrade und Österreichs Kapsch Trafficcom den Ton an.
"Wenn die Technologie jetzt funktioniert, erhöht das natürlich die Chancen", sagt Marcus Sander, Analyst beim Bankhaus Sal. Oppenheim. Toll Collect zufolge haben unter anderem China, Großbritannien, Ungarn und Russland inzwischen Interesse an der Technik bekundet.
Keine Rendite bis 2015
DaimlerChrysler und die Telekom sind dringend auf weitere Aufträge angewiesen. Wegen der hohen Entwicklungskosten und milliardenschwerer Klagen des Bundes gegen das Konsortium ist mit der deutschen Maut nämlich kein Geld zu verdienen. Nach früheren Angaben von Toll Collects Geschäftsführer Christoph Bellmer wird das deutsche Mautsystem während der gesamten Vertragslaufzeit bis 2015 keine Rendite abwerfen.
Bellmer hofft jedoch, dass die Aktualisierung sein Produkt attraktiver macht. Herzstück des Systems, das mit einer Kombination aus Satellitennavigation und Mobilfunk arbeitet, ist die so genannte On-Board-Unit (Obu). In Zukunft können neue Streckenabschnitte oder Tarife per Funk an alle 480.000 mit einer Obu ausgestatteten Lastwagen übermittelt werden.
Denkbar ist damit auch, die Mauttechnik etwa als Verkehrsleitsystem einzusetzen. Vielbefahrene Strecken könnten zeitweilig mit einer höheren Gebühr belegt werden. Umweltpolitiker haben angeregt, über die Obus bei Bedarf Regionen mit hoher Feinstaubbelastung zu vermauten.
Karlheinz Schmidt, Geschäftsführer des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung, kritisierte gegenüber der FTD, dass durch die Aktualisierung der Obu-Software erhebliche Kosten auf die Branche zukämen. "Toll Collect muss nachbessern und macht das auf unsere Kosten", sagte Schmidt. Sein Verband befindet sich zurzeit in einem Rechtsstreit mit Toll Collect. Dabei geht es um eine mögliche Regresspflicht des Mautbetreibers, wenn Logistikunternehmen ihre Lkws auf Grund defekter Obus in die Werkstatt schicken müssen. Dass das Toll-Collect-System ab Januar vermutlich das technisch ausgefeilteste ist, bestreitet er indes nicht. Zu den Exportchancen des Mautsystems sagte Schmidt: "Ich weiß nicht, ob jeder einen Mercedes braucht, aber jeder hätte natürlich gern einen."