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Merken   Drucken   02.10.2012, 07:53 Schriftgröße: AAA

EADS und BAE: Torpedos auf die Rüstungsfusion

EADS-Schlüsselaktionär Arnaud Lagardère und die britische Regierung gefährden den geplanten Zusammenschluss des deutsch-französischen Konzerns mit BAE Systems. Den Briten geht es ums Strategische, Lagardère ums Geld.
Illustres Paar: EADS-Aktionär Arnaud Lagardère und das belgische ...   Illustres Paar: EADS-Aktionär Arnaud Lagardère und das belgische Top-Modell Jade Foret

Bewertungs- und Machtfragen bedrohen das Vorhaben, in Europa den weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern zu schaffen. Nach erster Kritik von Daimler als Großaktionär der Airbus-Muttergesellschaft EADS  geht mit dem französischen Medienunternehmer Arnaud Lagardère jetzt ein weiterer Schlüsselaktionär auf Konfrontationskurs zu den Firmenchefs. Auch die britische Regierung soll mit einem Veto drohen, falls Deutschland und Frankreich zu viele Anteile an einem fusionierten Unternehmen aus EADS und dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems  beanspruchen, hieß es am Montag in London.

Unternehmensfusion Die Waffen von EADS und BAE

Lagardère, seit Juni Verwaltungsratschef von EADS, veröffentlichte seine Kritik an der geplanten Fusion am Montagmorgen. Er ließ in einem knappen Statement verlauten, dass er "die Bedingungen der Annäherung von EADS und BAE unbefriedigend" findet. Bislang habe das Vorhaben nicht gezeigt, dass es Mehrwert verschaffe. Der 51-Jährige rief die Konzernführung auf, das Vorhaben "neu zu bewerten, um die Interessen der französischen Aktionäre bei der Kontrolle von EADS besser zu berücksichtigen".

Der Widerstand Lagardères ist für das EADS-Management ein Problem, weil der 51-jährige Medienunternehmer in den derzeitigen Strukturen ein Vetorecht hat. Zudem soll nach britischem Börsenrecht bis 10. Oktober feststehen, ob das Fusionsvorhaben überhaupt weiterverfolgt wird. Es gibt also Zeitdruck bei den komplexen Verhandlungen, weil unterschiedliche Interessen zu berücksichtigen sind. Selbst nach der Kritik von Lagardère gebe es aber nach wie vor große Chancen für das Megavorhaben, heißt es bei Insidern, zumal seit Wochen geheime Sondierungsgespräche auch auf Regierungsebene laufen. Verwiesen wird auf ein politisches Interesse an einer Einbindung der britischen Rüstungsindustrie und damit von BAE Systems in einen gemeinsamen europäischen Branchenriesen.

Wenige Stunden vor Lagardères Kritik hatten EADS-Chef Thomas Enders und sein BAE-Systems-Pendant Ian King in einem gemeinsamen Appell die Großaktionäre Daimler, den französischen Staat und Lagardère aufgefordert, ihre Sonderrechte bei EADS aufzugeben, um den Weg zur Fusion mit dem britischen Unternehmen frei zu machen. In ihrer Erklärung bezeichneten beide das Fusionsvorhaben als eine Chance, die aber keine Notwendigkeit sei. Die Transaktion ziele auf Wachstum, nicht Verschlankung. Später am Montag kam es dann auch noch zu einem persönlichen Gespräch zwischen Enders und Lagardère. Über den Inhalt wurde allerdings nichts bekannt.

Kursinformationen und Charts
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Lagardères Formulierungen deuten darauf hin, dass dem Medienunternehmer vor allem an einer neuen Gewichtung gelegen ist, sollten sich EADS und BAE zusammenschließen. Bislang ist ein 60-zu-40-Verhältnis geplant. Lagardère hält nach zwei Großverkäufen von EADS-Anteilen in den Jahren 2006 und 2009 noch 7,5 Prozent des Kapitals, was einem Gegenwert von grob 1,5 Mrd. Euro entspricht. Sein Interesse an dem Unternehmen ist rein finanzieller, nicht strategischer Natur. Der Medienunternehmer hat mehrfach erklärt, dass er auch seine restlichen Anteile bei passender Gelegenheit verkaufen wird. Ein Preisabschlag auf den Aktienkurs von rund 15 Prozent, wie er nach der Ankündigung des Fusionsvorhabens zwischen EADS und BAE einsetzte, kommt ihm, aber auch Daimler nicht gelegen.

Die neuen Widerstände nutzten am Montag der Aktie: Der EADS-Kurs stieg um ein Prozent auf knapp 25 Euro.

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  • Aus der FTD vom 02.10.2012
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