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Merken   Drucken   18.01.2012, 17:12 Schriftgröße: AAA

Einstige Perle: Kahlschlag bei früherer Altana Pharma

Vor fünf Jahren verkaufte Susanne Klatten das Unternehmen, inzwischen gehört zu Takeda aus Japan. Die stellen die Forschung in Deutschland nun komplett ein. "Der Mohr kann gehen", meint der Betriebsrat. von Klaus Max Smolka  Frankfurt
Fünf Jahre nach dem Verkauf durch die Industrielle Susanne Klatten wird das einstige Vorzeigeunternehmen Altana Pharma weitgehend zerschlagen. Der neue Besitzer Takeda aus Japan stellt Forschung und Entwicklung (F+E) in Konstanz ein, stutzt den Vertrieb und verlagert ihn nach Berlin. 150 Verwaltungsstellen verbleiben an dem Standort, der als Perle der Industrie galt. 700 Stellen fallen in Konstanz weg, deutschlandweit 1200.
Das Logo von Takeda Pharmaceutical auf dem Dach einer Fabrik im ...   Das Logo von Takeda Pharmaceutical auf dem Dach einer Fabrik im japanischen Osaka
Damit geht der scheibenweise Ausverkauf weiter, der 2007 seinen Anfang nahm. Auf Betreiben der Mehrheitseignerin Klatten verkaufte der damalige DAX -Konzern Altana seine Pharmatochter und damit das Herzstück. Für 4,3 Mrd. Euro ging sie an die viel kleinere Nycomed, hinter der Finanzinvestoren standen. Die reichten das Unternehmen 2011 für 9,6 Mrd. Euro an Takeda weiter.
Altana Pharma war durch den Erfolg eines Magenmittels von Rekord zu Rekord geeilt. Allerdings gab es einen schweren Rückschlag bei der Entwicklung einer Atemwegsarznei, die den Langfristerfolg sichern sollte.
Schon unter Nycomed fiel in Konstanz jede zweite F+E-Stelle weg, insgesamt über ein Drittel der 4000 Arbeitsplätze in Deutschland. Von den verbliebenen 2500 Stellen überlebt nun gut die Hälfte, vor allem in der Produktion in Singen und Oranienburg. Der F+E-Standort Willinghusen soll an einen Investor verkauft werden. Die F+E habe jahrzehntelang hohe Gewinne ermöglicht, kommentierten Betriebsrat und Gewerkschaft. "Das soll nun vorbei sein, getreu dem Motto 'Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.'"
Integrationschef Frank Morich hatte die Belegschaft auf Einschnitte vorbereitet, unter anderem, indem er die deutsche Politik als pharmafeindlich geißelte. Nach Ansicht mancher Beobachter nutzte er das aber in erster Linie als Argument, um Stellenabbau zu rechtfertigen, der wegen der Fusion ohnehin angefallen wäre. "Das hat Morich als bequemes Argument gedient - in Wirklichkeit geht es um Standortkonsolidierung", sagte ein hoher Manager eines Wettbewerbers.
  • FTD.de, 18.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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