Volkswagen steht vor dem Einstieg in einen Windpark auf hoher See. Bis zum Jahresende will der Autobauer einen Partner für ökologische Stromerzeugung präsentieren. "Es wird mit vier Marktteilnehmern verhandelt", sagte ein Konzerninsider. Einer davon ist nach FTD-Informationen der Branchenprimus Windreich. In den nächsten zwei Jahren planen die Wolfsburger nahezu 1 Mrd. Euro in grüne Energie wie Wind, Wasser oder Sonne zu investieren, heißt es aus VW-Kreisen - eine gigantische Summe.
Volkswagens Einstieg gibt der Windbranche Hoffnung. Der Bau von Windparks verzögert sich seit Jahren, weil vor allem Geldgeber fehlen. Hohe Risiken beim Bau auf hoher See und Probleme beim Anschluss ans Stromnetz haben Eigenkapitalgeber abgeschreckt. Dass jetzt auch branchenfremde Konzerne in Offshore-Windenergie investieren, gilt als möglicher Durchbruch. Vor Kurzem hatte der US-Finanzinvestor Blackstone angekündigt, in den Windpark "Meerwind" 360 Mio. Euro zu stecken und noch einen weiteren Park mit ähnlichem Volumen umzusetzen.
Ähnlich wie viele Interessenten hatte auch VW sich den Einstieg ins Windgeschäft leichter vorgestellt. Es sei mehr Prüfungsaufwand nötig als zunächst gedacht, heißt es im Konzern. Für viele Wind-Unternehmen "sei der Schuh einfach eine Nummer zu groß". Undurchschaubare finanzielle Verhältnisse und Unerfahrenheit der Projektierer stünden einer schnellen Entscheidung entgegen. VW will sich mindestens an zwei Windparks beteiligen.
Der Konzern setze "auf die verstärkte Nutzung regenerativer Energien", sagte ein Sprecher auf Anfrage. Dazu zähle auch der Ausbau der Windkraft. Im ersten Schritt soll die Leistung des Parks 200 Megawatt betragen - das ist etwa ein Fünftel der Leistung eines Atomkraftwerks. Anschließend wolle VW direkt weiterverhandeln, heißt es.
Volkswagen benötigt den grünen Strom, um die selbst gesteckten C02-Ziele zu erreichen. Bis 2020 soll der Ausstoß des gefährlichen Klimagases in der Autoproduktion um 40 Prozent gesenkt werden. Zudem könne der umweltfreundliche Strom ein interessantes Zusatzgeschäft für die herannahende Elektromobilität werden. Im Konzern werde über Energiepakete nachgedacht. Gemeinsam mit den strombetriebenen Fahrzeugen können diese an den Kunden verkauft werden. Jeder Cent, den die E-Mobilität abwirft, wird von den Herstellern dankend verbucht. Aufgrund der hohen Entwicklungskosten der neuen Technologien rechnen die wenigsten Autobauer damit, dass die ersten E-Fahrzeuge Geld einspielen.
Teil 2: Vorsprung bei den Energiekosten