Energie goes Internet:RWE baut Breitbandgeschäft aus
Exklusiv
Der Energiekonzern treibt das Geschäft mit Breitbandnetzen voran und kooperiert mit der saarländischen Internetfirma Inexio. Die Zusammenarbeit soll als Modell für weitere dienen.
von Michael GassmannDüsseldorf
RWE kooperiert mit der saarländischen Telekommunikationsfirma Inexio. Ein neues Gemeinschaftsunternehmen werde sämtliche 92 Städte und Gemeinden des Kreises Cochem-Zell in den nächsten zwei Jahren mit schnellem Internet versorgen, sagte ein Inexio-Sprecher. RWE bestätigte den Plan. Das Bundeskartellamt ist informiert.
Screenshot der Webseite inexio.net
Zwischen beiden Branchen gibt es immer mehr Berührungspunkte. So arbeitet Eon mit der Deutschen Telekom zusammen und hat Konzernchef René Obermann sogar in den Aufsichtsrat geholt, während RWE kürzlich eine Kooperation mit Vodafone gestartet hat. Die Konzerne eint das Interesse an schnellem Datentransport. Die Telekomfirmen sollen - auch unter politischem Druck - die Versorgung ländlicher Regionen mit schnellem Internet verbessern. Dabei kann die Infrastruktur der Energieversorger helfen. Diese wiederum sind mehr und mehr auf intelligente Netze angewiesen, um Wind- und Solarstrom ins Netz zu integrieren.
Der neue Kooperation mit RWE habe Modellcharakter, so Inexio. Die Gemeinschaftsfirma BIG soll bis Anfang 2014 rund 17 Mio. Euro in den Anschluss des dünn besiedelten Kreises Cochem-Zell mit seinen rund 65.000 Einwohnern investieren. Der Ausbau des Glasfasernetzes solle in den nächsten Wochen beginnen. RWE stellt unter anderem Leerrohre zur Verfügung, die bei ohnehin notwendigen Arbeiten am Strom- und Gasnetz meist mit verlegt werden. "Damit gehen wir in Vorleistung, wenn die Kommunen dies wünschen", sagte ein RWE-Sprecher. Zusätzlich zu den bereits vorhandenen 180 Kilometern Infrastruktur müssten weitere 160 Kilometer Glasfaser verlegt werden.
Die 2007 gegründete, inhabergeführte Firma Inexio hat sich auf die Versorgung ländlicher Gebiete mit Breitband-Internet spezialisiert. Sie hält knapp 43 Prozent der BIG-Anteile. RWE kommt auf 21 Prozent. Fünf Kommunen und mehrere weitere Partner teilen sich den Rest.
Frühere Gehversuche der Energieversorger in der Telekommunikation waren wenig erfolgreich. Ende der 90er-Jahre hatten RWE und Eon den Ehrgeiz, mit der Gemeinschaftstochter Otelo zum Branchenzweiten nach der Deutschen Telekom aufzusteigen. Zwar gewannen sie über eine Million Kunden, verkauften Otelo aber später unter Verlusten an Mannesmann. Otelo lebt heute als Discount-Mobilfunkmarke von Vodafone weiter.
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