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  06.08.2009, 21:11    

Energie: RWE scheitert mit Atomplänen

Exklusiv Bei RWE platzt wohl binnen kurzer Zeit die zweite nukleare Beteiligung im Ausland: Nach Informationen der FTD steht das umstrittene bulgarische Kernkraftprojekt Belene vor dem Aus.

von Michael Gassmann (Düsseldorf)
RWE ist mit 49 Prozent an dem bulgarischen Kraftwerk beteiligt. Wie die FTD aus Branchenkreisen erfuhr, wird die Regierung in Sofia voraussichtlich kommende Woche das Ende des Vorhabens verkünden, zwei Meiler mit einer Leistung von je 1000 Megawatt für mindestens 4 Mrd. Euro zu bauen. "Die Finanzierung ist nicht gelungen", sagte eine mit den Vorgängen vertraute Person.
Damit platzt binnen Wochen bereits der zweite Kernkraftdeal des RWE-Konzerns. Erst Mitte Juli untersagte ein niederländisches Gericht dem Essener Konzern in einem Eilverfahren den Einstieg bei Borssele, dem einzigen Reaktor Hollands. RWE ist Europas größter Emittent des Klimagases Kohlendioxid und braucht dringend CO2-freie Kraftwerksleistung. Andernfalls drohen nach 2012 hohe Millionensummen für die Beschaffung zusätzlicher Verschmutzungsrechte.
Die nuklearen Beteiligungspläne des Energiekonzerns RWE drohen zu ...   Die nuklearen Beteiligungspläne des Energiekonzerns RWE drohen zu scheitern
Hoffnung auf die Niederlande
Den Kauf von 50 Prozent des Meilers Borssele hat der Konzern nicht endgültig aufgegeben. Er war ursprünglich Teil der 9,3 Mrd. Euro teuren Übernahme des Versorgers Essent. Nun sollen die Reaktoranteile nach FTD-Informationen bei den bisherigen Essent-Eigentümern, niederländischen Provinzen, zwischengelagert werden: Der Kaufvertrag enthält eine Klausel, wonach die Borssele-Anteile bis zu einem Urteil im Hauptsacheverfahren bei den Provinzen bleiben. Fällt die Entscheidung zugunsten von RWE aus, werden sie anschließend übertragen. Zunächst sinkt aber der Kaufpreis für Essent unter 9 Mrd. Euro.
RWE wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Das Ende des bulgarischen Reaktorzwillings in Belene ist aber so gut wie besiegelt. Die neue konservative Regierung in Sofia hatte bereits eine kritische Überprüfung angekündigt. "Wir müssen die Frage beantworten, ob Bulgarien diese Erzeugungskapazität überhaupt braucht", sagte Wirtschaftsminister Traicho Traikov kürzlich. Er zweifelte die Wirtschaftlichkeit des Meilers an. In die Vorarbeiten seien bereits 400 Mio. Euro investiert worden.
Bessere Alternativen
Konzernchef Jürgen Großmann  hat ebenfalls wenig Grund dazu, um Belene zu kämpfen. Der Reaktor löste heftigen Widerstand von Gruppen wie Greenpeace und Attac aus. Auch Fondsvertreter übten auf der jüngsten Hauptversammlung Kritik, weil der Meiler russischer Bauart in einem Erdbebengebiet liege. Und selbst im RWE-Aufsichtsrat ist das Projekt umstritten.
Zudem verfügt das Unternehmen inzwischen auch über weniger umkämpfte Alternativen. So gelang einer gemeinsamen Tochterfirma von RWE  und Eon  im April der Kauf von zwei Grundstücken für den Bau von Kernkraftwerken in Großbritannien. Insgesamt planen die Deutschen dort bis zu sechs AKW-Blöcke.
05:02:50 Kursinformationen und Charts
Name aktuell % absolut  
Eon 26,82 EUR   -0,67%  -0.18
RWE 62,12 EUR   -0,50%  -0.31
  • Aus der FTD vom 07.08.2009
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