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Merken   Drucken   15.08.2012, 08:37 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Missbrauchsverfahren gegen Tennet

Wann der Nordsee-Windpark "Deutsche Bucht" ans Stromnetz angeschlossen wird, ist völlig unsicher. Das ärgert nicht nur die deutsche Regierung, weil die Energiewende nicht vorankommt. Verärgert ist auch ein Geschäftspartner von Tennet.

Neuer Ärger für Tennet. Die Bundesnetzagentur hat ein Missbrauchsverfahren gegen den niederländischen Stromnetzbetreiber eingeleitet. Beantragt hatte das Verfahren der schwäbische Windparkentwickler Windreich.

Anschlüsse dauern lange und sind teuer

Damit verschärft sich der Ärger zwischen Tennet und seinen Kunden in Deutschland. Das niederländische Staatsunternehmen ist schon länger hierzulande in der Kritik. Grund sind Verzögerungen beim Anschluss von Offshore-Windparks.

Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee   Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee

Das ist auch der Anlass für die juristische Auseinandersetzung mit Windreich. Es gehe um den fehlenden Anschluss für den Nordsee-Windpark "Deutsche Bucht", sagte Windreich-Vorstandschef Willi Balz der Nachrichtenagentur DPA. Es sei das erste Verfahren dieser Art. Tennet habe die Errichtung der Leitungen für eine Umspannstation und die Anbindung zum Park auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Verhandlung vor der Bundesnetzagentur wurde für den 12. September angesetzt, berichtet DPA. Dem Stromnetzbetreiber, der 2010 das Eon -Netz übernommen hatte, fehlt das nötige Geld für den Anschluss der Windräder ans Netz.

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Tennet macht geltend, die Investitionen von 15 Mrd. Euro nicht allein stemmen zu können. Kritiker halten dagegen, für die Niederländer sei die Finanzierung kein Problem. Probleme bei der Netzanbindung gefährden auch die Pläne der Bundesregierung, Windkraft auf hoher See zu einer Säule der Energiewende zu machen.

Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will die Probleme Ende der Woche auch bei einem Besuch in den Niederlanden ansprechen. Bislang will Tennet nicht die Verantwortung für die Netzanschlüsse abgeben. Anfang der Woche waren Meldungen kursiert, wonach der Versicherer Allianz  und Munich Re  daran interessiert seien, das Tennet-Hochspannungsnetz zu übernehmen. Das erwies sich bislang allerdings als Wunschdenken - unter anderem deutscher Politiker. Tennet hatte mitgeteilt, das Unternehmen erwäge nicht, sein deutsches Netz zu verkaufen.

Windreich-Chef Balz machte seinem Ärger in einem Gespräch mit der dpa Luft. "Wir müssen hier Schwung reinbringen und unsere Rechtsposition mal definieren", sagte Balz. Bei anderen Projekten von Windreich in der Nordsee mache Tennet eine gute Arbeit, fügte Balz hinzu. "Aber wir wollen natürlich Erlöse aus produziertem Strom und nicht Schadensersatzerlöse." Windreich plant, baut und finanziert Offshore-Windparks.

  • FTD.de, 15.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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