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Merken   Drucken   04.12.2012, 08:39 Schriftgröße: AAA

Energiewende: RWE will Comeback der Nachtspeicher

Auf der Suche nach einem Speicher für Ökostrom hat sich der Stromkonzern RWE alter Technik zugewandt: der Nachtspeicherheizung. Die "Windheizung" soll als Batterie dienen - und RWE milliardenschwere Investitionen ersparen.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Karl-Josef Hildenbrand
Exklusiv Auf der Suche nach einem Speicher für Ökostrom hat sich der Stromkonzern RWE alter Technik zugewandt: der Nachtspeicherheizung. Die "Windheizung" soll als Batterie dienen - und RWE milliardenschwere Investitionen ersparen.
von Düsseldorf

Der Energieversorger RWE will elektrische Speicherheizungen wiederbeleben. Die als veraltete Stromfresser geltenden Geräte sollen künftig gar die Energiewende vorantreiben: Der Konzern will sie mit moderner Regeltechnik ausstatten und als Energiespeicher für schwankende Strommengen aus Windkraftwerken nutzen. Auch der Versorger EnBW spielt ein solches Modell durch.

Ein Praxistest mit 50 Wohnungen war laut Norbert Verweyen, Technikchef der RWE-Effizienztochter, erfolgreich. "Technisch funktioniert das System schon heute", sagte Verweyen der FTD. "Wenn wir nachweisen können, dass es sich wirtschaftlich rechnet, wollen wir 2014 damit auf den Markt kommen." Dazu solle das ab 2019 geplante Verbot für den Verkauf von Speicherheizungen fallen.

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Die Vorstöße zeigen, wie verzweifelt Stromversorger jede Möglichkeit nutzen, Energie zwischenzulagern. Bei elektrischen Speicherheizungen geht zwar viel Energie verloren. Doch herkömmliche Wasserkraftwerke mit Pumpspeichern reichen als natürliche Batterien immer weniger aus, um die schwankenden Mengen Ökostrom aufzunehmen: 2011 mussten dreimal so viele Windräder zwangsweise stillstehen wie im Jahr zuvor. Die Energie konnte weder abtransportiert noch zwischengelagert werden - rund 407 Gigawattstunden Strom gingen so laut Windenergieverband verloren. Genug, um eine Stadt mit 100.000 Haushalten 15 Monate lang zu versorgen.

Dabei wäre Speicher-Infrastruktur vorhanden: Zwar sind die meisten Elektroheizungen längst aus den Wohnungen verschwunden, doch die 1,4 Millionen noch eingebauten Heizungen genügen laut RWE, um Pumpspeicher mit zehn Gigawatt Leistung zu ersetzen - und den Versorgern so Milliardeninvestitionen zu ersparen.

Nachrüsten sollen die Verbraucher dafür eine ausgefeilte Steuerelektronik, die flexibel auf Temperatur- und Strompreissignale reagiert. Anders als früher wird so nicht zu festgelegten Zeiten Strom nachgeladen. Stattdessen nutzen die Systeme die teils starken Preisschwankungen bei der sogenannten Regelenergie, die je nach Bedarf im Netz zu- und abgeschaltet wird: Ist Strom gerade billig, laden die Geräte nach, steigt der Preis, schaltet die Elektronik ab. RWE  will so Heizstrom zehn Prozent unter dem normalen Nachtspeichertarif anbieten. Vermarktet werden soll das Modell als "Windheizung" - wohl in der Hoffnung, die Assoziation der E-Heizung mit Atom und Asbest zu vermeiden.

Ob elektrische Speicherheizungen jedoch der Energiewende nützlich sind, ist umstritten. Nach Einschätzung von Felix Matthes, Energieexperte beim Öko-Institut, taugen sie nicht als übergroße Batterien. "Nachtspeicher fragen mit schöner Regelmäßigkeit und besonders dann Strom nach, wenn der Wind nicht weht", sagte Matthes. Es solle deshalb beim Verbot der Geräte bleiben.

Auch die Versorger Eon  und Vattenfall sehen derzeit keine Chancen für eine Renaissance dieser Technologie. Sie probieren stattdessen andere Techniken aus, um Strom als Wärme zu nutzen. So will Vattenfall für 500 Mio. Euro einen gigantischen, mit Windenergie betriebenen Tauchsieder in einen Wasserspeicher in sein Hamburger Fernwärmenetz einbauen.

Manuel Frondel, Energieexperte des Instituts für Wirtschaftsforschung, verwies dagegen auf positive Erfahrungen in Dänemark: Dort würden zahlreiche Haushalte elektrisch mit Windstrom beheizt. Die Netzbetreiber erhielten damit eine Möglichkeit, die Nachfrage zu steuern. "Vor diesem Hintergrund sollte das Verbot von Elektrospeicherheizungen fallen gelassen werden", sagte Frondel.

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  • Aus der FTD vom 04.12.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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