Mit dem Vorstoß erhofft sich Tennet Unterstützung bei den Milliardeninvestitionen. Der kleine niederländische Staatskonzern hatte im Geschäftsjahr 2010 das Hochspannungsnetz von Eon gekauft und konnte damals nach eigenen Angaben nicht absehen, wie schnell und in welcher Höhe Ausgaben nötig würden. Hartman rechnet in den kommenden zehn Jahren mit mindestens 15 Mrd. Euro für Offshore-Netze und Kabel, um Windstrom von Nord- nach Süddeutschland zu bringen.
Bislang ist Tennet per Gesetz allein für den Anschluss der Nordsee-Windparks zuständig. Die Aufgabenverteilung richtet sich nach Regionen, Tennet ist für Nordwestdeutschland verantwortlich. Wie genau die neue gemeinsame Netzgesellschaft aussehen soll, müsse er noch mit der Bundesregierung und den drei anderen deutschen Netzbetreibern 50Hertz Transmission, Amprion - Ex-Töchter von Vattenfall und RWE - und der Transportnetzsparte von EnBW diskutieren, sagte Hartman.
"Wir wollen einer der großen Beteiligten sein, wir ziehen uns da nicht aus der Verantwortung", so der Manager. "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Begeisterung der anderen Übertragungsnetzbetreiber in Grenzen hält, was ihre Teilnahme betrifft. Aber es ist klar, dass die Stromversorgung der Zukunft nicht nur die Aufgabe eines einzigen Unternehmens ist." Tennet hat den Vorschlag vorher nicht mit den Rivalen abgestimmt.
Wegen Tennets Verzug droht der Offshore-Plan der Bundesregierung zu scheitern. Sie will bis 2020 Windräder mit einer Leistung von zehn Gigawatt installieren lassen - rund 2000 Stück. Bisher gibt es gerade mal rund 50 Windräder. "Wir möchten die Ziele der Bundesregierung ja auch erreichen. Das geht aber nur mit einer Änderung des Systems", sagte Hartman.