Deutsche verhandeln mit Inter Rao über Kooperation. Es geht um die Gründung einer Gemeinschaftfirma für Kraftwerke.
von Michael GassmannDüsseldorf
Russlands staatlich kontrollierte Energiewirtschaft unternimmt einen neuen Vorstoß, auf dem deutschen Elektrizitätsmarkt Fuß zu fassen. Der Stromkonzern Inter Rao führe Gespräche mit RWE über die Gründung einer Gemeinschaftsfirma für Kraftwerke, sagte Direktoriumsmitglied Ilnar Mirsijapow am Mittwoch in Moskau. RWE bestätigte die Kontakte. "Es hat ein Treffen auf Arbeitsebene gegeben", sagte eine Sprecherin.
Bei Öl und Gas ist Russland bereits mit Abstand wichtigster Lieferant. Es deckt 33 Prozent der Erdgas- und 36 Prozent der Erdölnachfrage in Deutschland. Nun soll Strom dazukommen. Eine Gelegenheit bietet die Energiewende. Der Atomausstieg hat Reaktorbetreiber wie RWE finanziell geschwächt. Sie suchen Partner, um ihre Investitionsausgaben zu drücken. Aus russischer Sicht ist eine Expansion in den Westen unter anderem wegen höherer Strompreise attraktiv.
Die Gespräche zwischen RWE und Inter Rao haben gerade erst begonnen. Ein erstes Treffen fand nach FTD-Informationen Anfang dieser Woche statt. Doch es geht um ein potenziell großes Geschäft. In eine Gemeinschaftsfirma könnten bestehende und neue Kohle- und Gaskraftwerke in Deutschland, Benelux und Großbritannien eingebracht werden. Ein Erfolg ist indes ungewiss. Erst Ende Dezember waren Gespräche zwischen RWE und Gazprom über eine ähnliche Kraftwerkskooperation gescheitert.
Inter Rao entwickelt erheblichen Ehrgeiz zu wachsen. Bis 2020 will der Konzern in die Liga der zehn weltgrößten Stromversorger aufsteigen. Auch auf dem Balkan und in der Türkei seien Übernahmen geplant, sagte Mirsijapow am Mittwoch: "Ich denke, dass wir 2012 eine oder zwei Transaktionen abschließen können." Das Unternehmen verfügt über das Import- und Exportmonopol bei Strom und betreibt nach eigenen Angaben in 27 Ländern Kraftwerke mit einer Leistung von 29 Gigawatt.
In Kaliningrad baut Inter Rao seit April 2011 ein großes Kernkraftwerk. Konzernchef Boris Kowaltschuk hatte auch den Export dieses Atomstroms nach Deutschland ins Gespräch gebracht. In deutschen Branchenkreisen ist jedoch von einer "abstrusen Idee" die Rede. Das Vorhaben sei politisch nicht vermittelbar und energiewirtschaftlich nicht erforderlich.
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