Der Gasanlagendienstleister habe nun ein eigenes Büro in Teheran eröffnet, sagte ein Bayerngas-Sprecher auf Anfrage der FTD. Bayerngas habe die Eröffnung des Sitzes auf einem Branchentreffen in Teheran mit der staatlichen iranischen Ölgesellschaft NIOC vereinbart. "Der Iran hat ein enormes Wachstumspotenzial", sagte der Sprecher.
Der geplante Ausbau des Tankstellennetzes birgt einiges Konfliktpotenzial, obwohl er nicht gegen die von der Uno verhängten Sanktionen gegen den Iran verstößt. Im August des vergangenen Jahres sorgte das deutsche Unternehmen Steiner aus Siegen international für Aufsehen, weil es Gasverflüssigungsanlagen an den Iran verkaufen wollte. Der Westen verdächtigt das Mullahregime, an einer Atombombe zu bauen, Kritiker lehnen daher Geschäfte mit dem Iran ab.
Nach der sensiblen Vorgeschichte ging Bayerngas mit dem Deal nicht von sich aus an die Öffentlichkeit. Wie in früheren Fällen wurden die Geschäftspläne im Iran bekannt gemacht. Iranischen Agenturmeldungen zufolge verkündete ein NIOC-Manager am Mittwoch in Teheran, dass man mit Deutschland die Zusammenarbeit bei Gasanlagen, Gastransport und Raffinerieanlagen beschlossen habe. Bayerngas verwies aber darauf, dass keinerlei Kauf- oder Beschaffungsverträge abgeschlossen worden seien. Verhandlungen über Gaslieferungen seien "derzeit nicht aktuell", sagte der Sprecher. Der Iran verfügt über die zweitgrößten Erdgasvorkommen weltweit.
Für den Iran könnte die Umrüstung des Tankstellennetzes ein Segen sein - sofern auch die Autos umgerüstet werden. Die Benzinversorgung hat dort immer wieder zu Konflikten geführt. Teheran subventioniert den Sprit für Autofahrer stark, muss ihn trotz eigener Ölbestände wegen maroder Raffinerien aber teuer im Ausland einkaufen. Als Präsident Mahmud Ahmadinedschad 2007 billiges Benzin rationierte, kam es zu Tumulten vor iranischen Tankstellen. Im Juni stehen im Iran Präsidentschaftswahlen an.
Mit welchem Auftragsvolumen das Unternehmen rechnet, gab Bayerngas nicht bekannt. Die Vereinbarungen mit der iranischen Seite seien noch sehr frisch. Im Teheraner Büro wolle man zunächst mit einem iranischen Angestellten auskommen und möglicherweise einen deutschen Vertreter schicken. Für den Bau der Tankstellen werde Bayernservices, das zur Hälfte dem Tiefbauunternehmen Schandl gehört, je nach Bedarf Techniker entsenden. Der Bau einer einzelnen Erdgastankstelle koste zwischen 200.000 und 300.000 Euro.